3D-Drucker Big Rep: Größer, schwerer, Drucker

4. April 2014 | Von | Kategorie: Bemerkenswertes, Print

In Berlin-Kreuzberg wird der Big Rep gebaut, einer der größten derzeit erhältlichen 3D-Drucker. Golem.de hat die Entwickler getroffen und sich das Gerät angeschaut.

Für ein Gerät dieser Größe, so versichern Lukas Oehmigen und Marcel Tasler, sei der Big Rep One recht handlich. Es sei keine Maschine nötig, um ihn zu bewegen. Einige Personen reichten, ihn anzuheben. Der 3D-Drucker wiegt 240 Kilogramm. Zur Auslieferung muss er in drei oder vier große Teile zerlegt werden. Das Büro des Berliner Unternehmens Big Rep ist in einem Gewerbehof im fünften Stockwerk. Es gibt zwar einen großen Fahrstuhl. Doch der Big Rep passt nicht durch dessen Tür – als Desktopgerät taugt der 3D-Drucker wahrlich nicht.

Video: Besuch in Big Reps 3D-Drucker-Werkstatt (10:03)

 

„Diese kleinen Sachen haben mich nicht interessiert“, sagt Oehmigen, der Entwickler des 3D-Druckers, im Gespräch mit Golem.de. Er wollte lieber Objekte in Lebensgröße aufbauen. Das geht mit dem Big Rep One: Das Gerät hat eine quadratische Grundfläche mit einer Kantenlänge von etwa 1,58 Metern und ist knapp 1,59 Meter hoch. Entsprechend geräumig ist auch der Bauraum des Druckers: Er misst etwa 1,15 x 1 x 1,2 Meter, was einem Volumen von 1,3 Kubikmetern entspricht. Der Rahmen besteht aus massiven Aluminiumprofilen und -verbindungsstücken, von denen einige eigens für das Gerät per CNC-Fräse hergestellt werden.

 

Werkstattgerät

Der Big Rep One ist ein Arbeitsgerät, das für professionelle Anwender gedacht ist: Designer, Architekten oder Modellbauer etwa. Auch Industriebetriebe interessierten sich dafür, etwa um Gussformen zu bauen, sagen die beide Gründer des Unternehmens. Auch der Preis ist sperrig: Stolze 30.000 Euro kostet der Big Rep in der Grundversion. Der 3D-Drucker ist eben kein Consumer-Produkt, sondern ein Werkstattgerät.

Entwickler Oehmigen hat sich für das Schmelzschichtungsverfahren (Fused Deposition Modeling, FDM) entschieden. Der Druckkopf hat Doppelextruder und verarbeitet einen Baustoff und ein Stützmaterial – die Auflösung liegt zwischen 100 Mikrometer und 1 Millimeter. Künftig sollen weitere Köpfe hinzukommen, darunter auch ein Fräskopf. Der werde allerdings nicht leistungsfähig genug sein, um Metall zu bearbeiten, schränkt Oehmigen ein. Er sei für die Bearbeitung von Schäumen gedacht.

Nicht interessiert an kleinen Druckern: Big-Rep-Konstrukteur Lukas Oehmigen wollte Gegenstände in Lebensgröße drucken. (Foto: Daniel Pook)

Der Drucker verarbeitet in erster Linie Polylactid (PLA), er kann aber auch mit einem Draht aus Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS) betrieben werden. Dafür hat der 3D-Drucker auch eine heizbare Arbeitsplattform. Ein Gehäuse gibt es jedoch nicht. Die Entwickler behelfen sich mit Rettungsdecken, die sie über das Gerät hängen, die die Wärme im Bauraum halten. Werkstücke aus ABS müssen langsam und gleichmäßig abkühlen, damit sie sich nicht verziehen oder reißen.

 

Umweltfreundliche Kunststoffe

Oehmigen und Tasler sind aber für PLA, also Kunststoffe auf Stärkebasis, zu haben, da diese umweltfreundlicher sind als Kunststoffe auf Mineralölbasis. 3D-Druck, so hoffen sie, werde dazu animieren, solche Materialien zu nutzen. „Da wird es viele interessante Kombinationen geben, PLA mit einem Hanffaser- oder mit einem Kohlenstoffanteil zum Beispiel“, sagt Oehmigen „Dann gibt es technische Kunststoffe, die spezielle Merkmale haben, die auf Feuchtigkeit, auf Infrarotlicht oder auf Hitze reagieren. Das geht in die Richtung intelligenter Materialien.“ Big Rep ist sogar eine Kooperation mit einem Kunststoffhersteller aus den USA eingegangen, der eigens neue Materialien für die Berliner und ihren 3D-Drucker entwickelt.

 

Gesteuert wird der Drucker mit einem von Big Rep entwickelten Controller, einer Arduino-Lösung auf Atmega-Basis, ähnlich wie Reprap. Die 3D-Datei kann per USB-Anschluss vom Rechner auf den Drucker transferiert werden, oder sie wird auf eine SD-Karte kopiert, die in einen entsprechenden Slot in der Steuereinheit gesteckt wird.

 

Komponenten freigeben

Doch auch wenn Open-Source-Hardware verbaut ist: Der Drucker selbst ist nicht Open Source. „Wir haben lange überlegt und sind auch noch nicht entschieden, wie wir das gestalten wollen“, sagt Oehmigen. „Ich denke, dass wir viele Komponenten nach und nach freigeben und die Pläne veröffentlichen werden.“ Das soll es Big-Rep-Besitzern ermöglichen, das Gerät an ihre Anforderungen anzupassen oder eigene Lösungen zu entwickeln.

 

Einige Komponenten werden auch nicht offengelegt. Darunter ist eine Steuerung, die derzeit das Berliner Unternehmen Schleicher Electronic für Big Rep entwickelt. Die hat unter anderem einen Industrie-Bus, um das Gerät in einer Fabrik betreiben zu können.

 

Demokratisierung von Produktionsmitteln

Oehmigen ist der Entwickler des Riesendruckers. Vor etwa sieben Jahren habe er 3D-Drucker entdeckt und sei fasziniert gewesen von den Möglichkeiten, die sie bieten, erzählt er: Nutzer könnten damit eigene Produkte schaffen und sich so ein wenig vom Massenmarkt befreien. 3D-Druck sei eine „Demokratisierung von Produktionsmitteln“, resümiert Tasler.

 

Allerdings seien ihm die alle zu klein gewesen. So habe er einfach angefangen, selbst einen zu bauen, erzählt Oehmigen. Das erste Exemplar sei sogar noch etwas größer gewesen als der Big Rep One, aber weniger stabil. Er habe ihn deshalb mit Verstrebungen stabilisiert, die jenen glichen, mit denen die Regale eines bekannten schwedischen Möbelhauses gestützt werden.

 

Eigentlich habe er Skulpturen mit dem 3D-Drucker aufbauen wollen, erzählt Oehmigen. Dann aber habe er immer mehr Zeit damit verbracht, an dem Gerät zu tüfteln. „Ich habe mich dann mehr mit dem Gerät beschäftigt als damit zu produzieren.“

 

Ernst gemeinte Anfragen nach dem Big Rep

Das Interesse an dem Drucker war von Anfang an groß, Projekte mit dem Londoner Architekturunternehmen Exploration Architecture, das mit dem Drucker eine Ausstellungsarchitektur baute, und dem Berliner Architekturunternehmen Graft taten ein Übriges. Schließlich hätten sie mehr Mails bekommen, als sie beantworten konnten, erzählt Oehmigen. Vor etwa anderthalb Jahren seien die ersten Interessenbekundungen an einem Kauf gekommen, und es seien immer mehr geworden.

 

Er habe nicht ausgeschlossen, dass aus seinem „Forschungsprojekt“ einmal ein Unternehmen werden könne. Zum Produkt sei Big Rep wegen der Resonanz geworden und aus dem Interesse heraus, „daraus eine echte Maschine zu machen“, sagt Oehmigen. „Keine aus selbst gefrästen Teilen und Teilen aus dem Baumarkt.“ Das gehe eben nur, wenn so ein Projekt auch kommerziell betrieben werde.

 

Premiere in New York

Und dann ging alles rasend schnell: Anfang Dezember 2013 erhielten die beiden Risikokapital des Berliner Unternehmens Newten Ventures. Anfang Januar gründeten sie das Unternehmen und bezogen neue Räume in Berlin-Kreuzberg – aus denen sie bald wieder ausziehen, weil zu wenig Platz ist für die großen Maschinen. Es kamen neue Mitarbeiter hinzu: Aus zwei wurden mal eben acht. Und Mitte Februar hatte der Big Rep One Premiere auf der Messe 3D Print Show in New York.

 

Der Drucker habe dort herausgeragt – im Wortsinn: Es seien viele 3D-Drucker ausgestellt gewesen, das waren aber kleine Geräte, die sich letztlich alle recht ähnlich waren. Und mittendrin zwei Deutsche mit ihrem Riesen-3D-Drucker. „Der Big Rep war etwas ganz anderes“, erinnert sich Oehmigen. „Viele waren ganz aus dem Häuschen deswegen.“ Und das, obwohl einige Teile fehlten, die der US-Zoll nicht freigegeben hatte.

 

Noch schwieriger gestaltete sich der Rücktransport: Da blieb der ganze Drucker unter Behördenkontrolle.

 

Kaum mit Version eins fertig, denken die beiden Entwickler auch schon über Modifikationen nach: Neben dem CNC-Kopf soll es weitere Druckköpfe geben, etwa um Schäume oder pastenartige Materialien mit dem Big Rep zu verarbeiten. Außerdem planen sie noch zwei alternative Bauformen: einen Drucker mit einem höheren Rahmen, um noch größere stehende Figuren aufbauen zu können, sowie einen breiteren für Objekte mit einem größeren Grundriss.

 

Drucken und drucken lassen

Auch eine Erweiterung des Geschäftsmodells ist im Gespräch: Nicht jeder, der ein großes Objekt drucken möchte, kann oder will sich einen Big Rep anschaffen. Der Hersteller selbst hingegen könnte das als Dienstleistung anbieten. Das sei geplant, sagt Oehmigen.

 

Vor allem wollen die beiden Big-Rep-Konstrukteure aber eines: 3D-drucken. „Wir sind heiß darauf, selbst mit dem Produkt zu arbeiten. Dazu fehlt uns nur gerade die Zeit“, sagt Oehmigen.

 

 

via 3D-Drucker Big Rep: Größer, schwerer, Drucker – Golem.de.

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