Visitenkartenchaos bei der Hausdruckerei

3. Februar 2015 | Von | Kategorie: Bemerkenswertes, Print

aus Gutenbergblog von Marc-Michael Schoberer am Januar 29, 2015:

Es gibt Erfahrungen mit Druckereien, von denen muss man einfach berichten. Diesmal hat es mich leider persönlich getroffen. Der Vorteil: Ich kann euch aus erster Hand von meinen Erlebnissen mit einer Hausdruckerei aus der Oberpfalz berichten. Von Service, Toleranz und kundenorientiertem Denken keine Spur.

 

Was ist passiert?

Für einen meiner Kunden waren wir im Bereich Logoentwicklung, Verpackungsdesign und der Neuentwicklung der Geschäftsausstattung kreativ tätig. Zu jeder professionellen Geschäftsausstattung gehören eben auch die Visitenkarten. Da die Gestaltung der Visitenkarten einige Herausforderungen (Vollflächiges Grau, weißer Balken für Notizen auf der Vorderseite usw.) hatte, habe ich zwei Druckereien angefragt. Zum einen die druckerei24.de – als klassische Online-Druckerei. Mit der Druckerei habe ich bisher immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Sowohl mit Printprodukten, als auch mit größeren Mengen POS-Artikel. Zum anderen besagte Druckerei aus der Oberpfalz: Denn ich wollte brillanten Druck, hochwertiges Papier und wollte kein “Risiko” eingehen.

Ich habe dort direkt einen Kundenberater kontaktiert, um ihm meine Wünsche zu schildern und so schon gleich die richtige Richtung vorzugeben. Es gab mehrere Mails in denen ich meine Wünsche geschildert habe, mit Nachdruck auf die nötige “Wertigkeit” hingewießen und mich beraten lassen habe. Ich habe bewusst nicht alles vorgegeben, da für mich so ein Prozess auch immer ein Stück weit Test ist.

Meine Vorgaben:

  • Mindestens 300 Gramm Papier (lieber 400 Gramm)
  • hochwertiges Papier
  • Offset-Druck
  • Proof
  • kein Drucklack, da es auf der Vorderseite besagtes Notizfeld gibt
  • edles Aussehen
  • brillanter Druck

Um auch wirklich ein schönes Farbbild zu bekommen, habe ich für 20€ Aufschlag den Proof bestellt.

Bis dahin war die Kommunikation auch sehr nett, konstruktiv und ich hatte das Gefühl, dass der Berater meine Wünsche verstanden hat. Der Proof war OK, die Farben kamen gut, das Druckbild ebenfalls. Folglich kam von mir auch der Auftrag.

Als die Karten 10 Tage später bei mir in der Agentur ankamen, konnte ich mich nur sehr kurz freuen. Die Visitenkarten waren schrecklich-obermies.

Schlechte Druckqualität und Weiterverarbeitung. Das Papier ein No-Go.

Was mir gleich auffiel, als ich die Karten in die Hand nahm, war das minderwertige Papier. Nie und nimmer 300 Gramm-Papier. Extrem instabil und nicht wertig.

Karten, die unter der Voraussetzung “edel und wertig” produziert werden, sollen definitiv nicht den Anschein nach “zu Hause ausgedruckt” machen. So ein Produkt kann ich einem anspruchsvollen Kunden einfach nicht verkaufen. Das Druckbild war gerade noch OK, jedoch weisen viele Karten “Blitzer” auf, sind teilweise wellig und haben leider auch keine sonderlich gute Weiterverarbeitung erfahren. Durch das vollflächige Grau sind – vielleicht durch stumpfe Schneidewerkzeuge – unschöne helle Stellen entstanden. Manche Karten sind auch nicht gerade abgeschnitten. Alles in allem ein sehr enttäuschendes Bild.

Der Preis aktuell: 250€ für 250 Visitenkarten + Proof.

Im Vergleich zur Online-Druckerei, bei der mich diese Karten 45€ kosteten, eine Frechheit. Zur Qualität der Karten der Online-Druckerei komme ich später noch.

Die Reklamationsphase bei der Druckerei

Nicht nur, dass ich meinen Kunden vertrösten musste, nein – es kommt auch noch eine sehr langwierige Zeit der Reklamation auf mich zu. So habe ich den vormals engagierten Berater kontaktiert, die Probleme mit den Visitenkarten geschildert und um Vorschläge zur Lösung des Problems gebeten. Am nächsten Tag habe ich Muster der Visitenkarten auf die Reise in die Oberpfalz geschickt.

Die Antwort kam zügig: Papier einwandfrei, Druck ebenso, “wir nehmen immer dieses” Papier. Der Tenor, der bei mir ankam: Kunde du bist selber Schuld, wenn du bei uns druckst. Wir machen das immer so. Bezahle und gut ist es.

Die Rechnung kam einen Tag später. Kein Rabatt, keine Lösungsvorschläge. Nur eine stupide Zahlungsaufforderung.

Natürlich habe ich mir die Karten nochmal angesehen, mein Fazit war immer wieder gleich: Schlechte Qualität!! Sehr schlecht!! Unter der Voraussetzung einer “edlen Umsetzung” eine Frechheit.

Zum Glück verfüge ich über ein großes Netzwerk in der Druckgemeinde und habe die Karten an einige Profis geschickt. Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein und stelle zu hohe Anforderungen?

Die Meinungen weiterer Profis

Jan Lukat von www.lukart.de schrieb mir:

Moin Marc,

… was nicht in Ordnung ist, das die eine schief geschnitten und verknickt ist. Haptisch wirkt die eine etwas dünner aber das Mikrometer sagt nein – beide 0,28 mm – kann also herstellerspezifische Gründe haben. Die Laufrichtung ist bei beiden gleich und beide wurden im Offset gedruckt.

Was etwas unglücklich ist, ist die Matrialauswahl für dein Motiv. Da hätte ich lieber ein natur conquer karton genommen bzw. die Vorderseite noch mit Mattlack versehen, damit man die Fingerabdrücke oder flecken nicht sieht.

Jörg Friedrich von Studio Tegernsee schrieb:

Ich vermute, dass die Visitenkarten auf einer Xerox Digitaldruckmaschine (oder ähnliche) lief. Das Papier war
vermutlich zu feucht, daher kommt das wellige. Ich kann die Grammatur hier in der Agentur nicht messen würde
aber auf ein 250 g/qm setzten.

Weitere Punkte sind mir noch aufgefallen:

• Grauton ist nicht glatt – das liegt am Digitaldruck
• In dem Magentasplash ist ein kleiner weißer Kreis – ist das in den Daten wirklich so?
• Passer bzw. Überfüllungen sind falsch. Weiße Blitzer
• Alle Kanten sind ausgefranzt – Messer in der Weiterverarbeitung stumpf.

Grundsätzlich würde ich sagen, dass ist eher minderwertig und dürfte so nicht einmal bei großen
Onlinedruckereien so sein.

Hoffe ich konnte helfen.

 

 

 

Status Quo

Ich habe nochmals eine E-Mail an die Druckerei geschrieben, meine und die Meinungen der Design- und Druckprofis weitergeleitet und nochmals höflichst um eine Lösung des Problems gebeten.

Status Quo: Nach langem Nachdenken versucht die Druckerei nun doch nachzudrucken. Ich habe 2 Papiermuster erhalten, die OK sind. Ich bin sehr gespannt und werde natürlich auch darüber offen und fair berichten.

Nach einer ersten Mahnung, versicherte mir der Kundenberater, dass er das umgehend mit der Buchhaltung klären werde und ich die Rechnung natürlich erst begleichen muss, wenn der Nachdruck erfolgt ist und ich zufrieden bin.

Heute (28.01.2015) kam dann Mahnung Nummer 2. Nicht nur die externe Kommunikation funktioniert scheinbar nicht, sondern auch die interne Kommunikation ist eher subopitmal.

 

Und die Visitenkarten der Online-Druckerei?

Wie ihr wisst, bin ich kein Skeptiker was die Online-Druckereien betrifft. Ich habe bisher gute Erfahrungen gemacht, durfte schon viele Produktionsstätten besuchen, kenne viele Drucker persönlich.

Die Karten der druckerei24 kosteten mich 45€. Die Qualität war sehr gut. Das Papier gutes 400 Gramm Papier. Die Farben kamen sehr gut zur Geltung. Die Weiterverarbeitung war absolut OK.

Betrachtet man das ganze aus dem Blickwinkel Preis-Leistungs-Verhältnis geht der Preis ganz klar an die Online-Druckerei.

 

Was mich so ärgert und irgendwie betroffen macht: Ich höre fast wöchentlich das Jammern der Hausdruckereien. Ja, immer noch. Viele Druckereien reden immer von einer Spezialisierung, von einer Weiterentwicklung und dem Erkennen der Probleme. Ich bekomme fast täglich E-mails von kleineren Druckereien:

“Lieber Herr Schoberer, bitte bitte berichten Sie doch über uns. Es geht uns so schlecht und wir können aber alles viel besser als der Online-Druck”. Hier hatte eine Hausdruckerei wieder einmal die Chance mit einem – zugegeben aus Druckerei-Sicht – sehr uninteressanten Job zu beweisen, dass man den Kunden ernst nimmt, die eigene Produktpalette sehr gut kennt und ein tolles Ergebnis liefern kann. Das Resultat bisher: Schlechter Druck, katastophale Weiterverarbeitung, keinerlei Kundenservice geschweige denn Kundenverständnis.

Wo bleibt der Service?

Wo bleibt die gute Beratung?

Wo bleibt die zuvorkommende Hilfestellung, wenn der Kunde nicht zufrieden ist?

So schlecht kann es euch also nicht gehen. Die erste Druckerei, die meine Karten in toller Qualität nachdruckt, bekommt einen kostenlosen Artikel auf meinem Blog. Ich bin gespannt! Bisher hat sich noch niemand gemeldet.

 

Quelle: http://www.gutenbergblog.de/offsetdruck/visitenkarten-drucken-in-der-hausdruckerei-4419.html

 

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