Das Histogramm

5. September 2013 | Von | Kategorie: Bildbearbeitung

Photoshop meistern – Arbeiten mit dem Histogramm

 

Die Helligkeitsinformationen eines Pixelbildes und seiner Farbkanäle, die Tonwerte, sind die grundlegendste Größe für die Bildfarben und auch der wichtigste Ansatzpunkt für Bildkorrekturen. Ein hervorragendes Photoshop-Werkzeug, zum Prüfen und Korrigieren von Tonwerten ist das Histogramm. Dieses Tutorial von Sibylle Mühlke aus dem Buch Adobe Photoshop CS4 – ein Gastbeitrag von Galileo Design – zeigt, wie’s geht.

Das erste Augenmerk bei einer Korrektur gilt den Lichtern und Tiefen, also den allerhellsten und dunkelsten Tonwerten eines Bildes. An Lichtern und Tiefen treten auch am schnellsten sichtbare Schäden auf. Um so etwas zu vermeiden, sollte eine Bildkorrektur genau an der Problemzone des Bildes ansetzen und Lichter- sowie Tiefenzeichnung (die feine Nuancierung der hellsten und dunkelsten Bereiche im Bild) erhalten. Durch reine Sichtkontrolle am Monitor ist beides schwierig. Das Histogramm ist ein wertvoller Helfer für die Analyse korrekturwürdiger Bilder und unterstützt Sie während der Korrektur.

 

Mit dem Histogramm stellt Photoshop ein wirkungsvolles Instrument zur Verfügung, um Tonwertverteilung und -umfang eines Bildes objektiv zu prüfen. Sie finden es gleich an mehreren Stellen im Programm:

 

  • als Teil des Werkzeugs Tonwertkorrektur, mit dem Sie die Tonwerte bearbeiten,
  • als eigenständige Histogramm-Palette (zu finden unter Fenster / Histogramm),
  • integriert in den Dialog Gradationskurven.

 

Was verrät die Histogramm-Palette?

 

Die Histogramm-Palette hat den Vorzug, dass sie geöffnet auf der Arbeitsfläche abgelegt werden kann, sodass Sie die Tonwerte eines Bildes jederzeit im Blick behalten können. Darüber hinaus ist ein Histogramm als Hilfswerkzeug auch noch in andere Tools integriert, zum Beispiel in den Import-Dialog für Camera-RawBilder.

 

Die Histogramm-Palette in der erweiterten Ansicht mit Statistik. Neben dem eigentlichen Histogramm werden in dieser Ansicht auch statistische Informationen zum Bild geliefert. Die verschiedenen Ansichtsoptionen erreichen Sie über das Seitenmenü, das sich wie gewohnt mit dem kleinen Pfeil rechts oben aufklappen lässt.

 

Die Histogramm-Balken

Ein Histogramm – gleichgültig ob in der Tonwertkorrektur, den Gradationskurven oder der Histogramm-Palette selbst – bildet die Tonwerte aller im Bild vorkommenden Pixel ab. Ganz links sind die schwarzen Bildpixel (in RGB mit dem Tonwert 0) repräsentiert, und die Anzeige verläuft über die Mitteltöne in die hellen Töne bis zu den weißen Bildpixeln ganz rechts (Tonwert 255).

 

Die Höhe der kleinen Balken in den unterschiedlichen Tonwertbereichen zeigt an, wie oft ein Tonwert im Bild vorkommt. Je öfter ein Tonwert im Bild vertreten ist, desto länger ist der Balken. Diese Tonwertverteilung können Sie sich für das Gesamtbild oder einzelne Kanäle anzeigen lassen. In der Histogramm-Palette finden Sie neben dem Histogramm selbst noch weitere Einstellungen und Informationen.

 

Quelle: Wenn Ihr Bild mehrere Ebenen enthält, können Sie unter Quelle auswählen, ob Sie die Tonwerte einer bestimmten Bildebene oder des gesamten Bildes ansehen wollen.

 

Statistik: Unterhalb des Histogramms finden Sie einige Angaben zur Statistik: Der Mittelwert gibt die durchschnittliche Helligkeit eines Bildes an. Liegt der Wert für ein RGB- oder Graustufenbild unter 128, ist das Bild eher dunkel; liegt er darüber, ist das Bild heller. Die Abweichung gibt nochmals in Zahlen an, wie stark die Helligkeitswerte schwanken (das kann man auch der Histogrammkurve ansehen). Der Zentralwert gibt an, wie hell oder dunkel der mittlere Farbwert des Bildes ist. Pixel bezeichnet die Menge der Pixel im Bild, die für das Histogramm herangezogen wurden.

 

Tonwertangaben: Wenn Sie mit der Maus auf einen Punkt der Histogrammkurve fahren, erscheinen einige Angaben zu dem Tonwert , den Sie aktuell unter der Maus haben. Sie erfahren, was der genaue Wert ist (Tonwert), wie viele andere Pixel es mit diesem Tonwert gibt (Anzahl) und wie viele dunklere Pixel noch vorhanden sind (Spreizung).

 

Aktualisieren: Das kleine „Warndreieck“ oben rechts weist Sie darauf hin, dass das Bild geändert wurde, aber dass das Histogramm noch die unveränderte Version anzeigt. Ein Klick auf die darüber liegenden, kreisförmig angeordneten Pfeile („Recycling-Symbol“) aktualisiert die Ansicht.

 

Cache-Stufe: Die Cache-Stufe bezieht sich nicht auf die Bildqualität oder Bilddaten selbst, sondern systemabhängig darauf, wie diese für das Histogramm aus dem Bild ermittelt werden. Für die Bildkorrektur können Sie diesen Wert ignorieren.

 

Live-Histogramm: In der Histogramm-Palette sowie in der Tonwertkorrektur in der Korrekturen-Palette können Sie Änderungen am Bild live verfolgen.

 

Die grauen „Hügel“ zeigen die originalen Werte, und das schwarze Diagramm symbolisiert die Auswirkungen Ihrer aktuellen Tonwertkorrektur-Einstellungen. Achten Sie darauf, dass Quelle: Korrekturcomposite eingestellt ist, sonst funktioniert es nicht.

 

Sie können auch Bereiche des Histogramms durch Überstreichen markieren und erhalten dazu statistische Informationen.

 

Das Live-Histogramm im Einsatz

 

Histogramme interpretieren

Auch wenn jedes Bild sein eigenes Profil hat, gibt es Merkmale, die eine ideale Tonwertverteilung auszeichnen, und andere Merkmale, die für bestimmte Bildfehler symptomatisch sind. Die Histogramm-Hügellandschaft sollte an den Rändern auslaufen und die gesamte Breite der Grafik ausfüllen. Reichen die Histogramm-Hügel nicht über die ganze Breite des Diagramms, fehlen dem Bild eindeutige Tiefen und Lichter. Der Gesamteindruck ist dann meist „flau“ und kontrastarm.

 

Bei einem so ausgewogenen Histogramm …

… hat das Bild klare Kontraste / Bild: Onno K. Gent

 

Sieht die Tonwertverteilung wie eine Gebirgslandschaft mit zu den Seiten abfallendem Berg aus, wie bei den zwei vorhergehenden Beispielen (kleine graue Dialogfenster), ist das Histogramm ausgewogen.

 

Bild: C. Börner

 

Besonders wichtig ist es, dass die gesamte Histogramm-Breite ausgenutzt wird. Schauen Sie genau hin: Auch die unscheinbaren, nur ein Pixel hohen Balken an den Rändern der „Histogrammberge“ zeigen relevante Tonwerte an.

 

Histogramm zu schmal

In der folgenden Abbildung läuft die Gebirgskette des Histogramms in die Ebene aus, bevor die Kanten des Dateien auf der Diagramms erreicht sind. Das Bild hat denn auch nur geringe KonBuch-DVD: traste und wirkt wie hinter einem Grauschleier. Solche Befunde „Strandspaziergang.tif“, lassen sich meist gut mit ein paar Handgriffen korrigieren.

 

Hier wird nicht die gesamte Breite des Histogramms ausgenutzt. Das Bild unten wirkt flau und hat schwache Kontraste.

 

Bild: Frank Gaebler

 

Histogramm zu breit

Drängen die Histogramm-Balken aus dem Diagramm hinaus, fehlt es dem Bild vermutlich an Zeichnung in den Tiefen oder Lichtern, also an feiner Modulation der dunkelsten oder hellsten Bildpartien.

 

In diesem Bild treten deutlich Zeichnungsverluste in den hellen Bereichen zutage.

 

Bild: Frank Gaebler

 

Beim obigen Histogramm sind die Balken, die die hellen Tonwerte repräsentieren (rechts im Histogramm), zwar nicht besonders hoch, aber sie drängen deutlich über den Rand hinaus. Mit Zeichnungsverlusten in den Lichtern des Bildes kann bei einem solchen Histogramm gerechnet werden. „Reparieren“ lassen sich solche Bilder schlecht.

 

Zeichnungsverluste in den Tiefen

Wo Bildinformationen fehlen, können auch nachträglich keine beschafft werden. Schauen Sie sich das folgende Beispiel an – hier fehlen Tonwertabstufungen in den dunklen Bildbereichen.

 

Auch dieses Foto ist durch Zeichnungsverluste gekennzeichnet, diesmal in den Tiefen.

 

Bild: Frank Gaebler

 

Die Histogramm-Balken türmen sich am linken Rand, der für die dunklen Tonwerte steht. Die Zeichnungsverluste der Tiefen sind auch im Bild recht gut zu erkennen: Dunkle Bereiche sind kaum nuanciert, sondern einfach schwarze Flecke. Auch hier wird es wohl schwierig, noch etwas aus dem Bild herauszuholen.

 

Nicht schön, aber reparabel

 

Anders nun das folgende Beispiel. Dieses Foto ist zwar ebenfalls recht dunkel, doch das Histogramm belegt: Es ist stimmig.

 

Stimmiges Histogramm

 

Bild: Sibylle Mühlke

 

Auch dieses Bild ist recht dunkel, wie auch die Menge der Tonwertbalken im linken Bereich der Histogramm-Grafik zeigt. Allerdings gibt es im Bild trotzdem noch feine Abstufungen der Tiefen. Das Histogramm fällt links steil ab, die Balken drängen nicht gerade aus der Grafik heraus.

 

Eine besondere Rolle spielt das Histogramm bei der Arbeit mit dem Werkzeug Tonwertkorrektur – dort ist es zentrales Funktionselement.

 

Bei der manuellen Tonwertkorrektur arbeiten Sie direkt im Histogramm: Die Tonwertspreizungsregler werden ans Histogrammgebirge herangeführt.

 

Doch auch bei anderen Korrekturen können und sollten Sie die Informationen des Histogramms nutzen – entweder mittels Histogramm-Palette oder bei den Gradationskurven im Werkzeugdialog selbst.

 

Quelle: http://www.drweb.de, 5. Juli 2010

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