Der harmonische Satzspiegel

9. Oktober 2013 | Von | Kategorie: Gestaltung, Print, Typografie

(Makro)-Typographie:
Der goldene Schnitt, Neuner- und Zwölferteilung
oder: der harmonische Satzspiegel

 

Der goldene Schnitt stellt ein bestimmtes Verhältnis zweier Größen dar und findet in der Architektur, in der Kunst u.s.w. Verwendung. Allgemein wird immer gesagt, dass Zwei Strecken im Verhältnis des Goldenen Schnittes stehen, wenn sich die größere zur kleineren Strecke verhält wie die Summe aus beiden zur größeren.

Das versteht man auf den ersten Moment nicht so recht. Ist aber auch nicht schlimm. Mathematische Erklärungen und Konstruktionen findet man im Netz genug, z.B. hier bei Wikipedia. Im folgenden wird ein Beispiel erklärt wie man sich den goldenen Schnitt in der Typographie zu Nutze machen kann.

Der Wert des goldenen Schnitts ist 1.618. Dann gibt es noch die sogenannten Fibonacci-Zahlenreihen, z.B. 1:2:3:5:8:13 u.s.w. Man addiert also jeweils die vorhergehende Zahl.

Nun, wie kann man sich nun diese Zahlenreihe zu Nutze machen um z.B. in der Typographie einen harmonischen Satzspiegel einzurichten?

 

Errechnen des Seitenformates

Zuerst nehmen wir eine Seitenbreite von 148 mm, so als würden wir ein DIN-A5-Format definieren wollen (Die DIN-Formate basieren auf dem Verhältnis ?2 : 1). Um nicht jedes mal ein langweiliges DIN-Format zu verwenden, kann man jetzt ein Seitenformat errechnen nach der Fibonacci-Reihe.

Ich nehme z.B. 148 mm Seitenbreite als Vorgabe. Jetzt geht es darum die Höhe zu errechnen. Die Reihe ist ja wie oben beschrieben: 1:2:3:5:8:13 u.s.w. Im folgenden benutzen wir 5:8.

Breite der Seite = 148 mm = 5 Teile
Dann erfolgt sozusagen eine Dreisatzrechnung:
8 Teile sind (148/5)*8 = ca. 237 mm. Das ist also jetzt unsere Höhe.

 

Satzspiegelberechnung

Wie legen eine Satzbreite von von z.B. 100 mm fest bei der unsere ausgewählte Schrift mit Durchschuss u.s.w. gut lesbar ist. Wie hoch ist dann nach der Fibonacci-Reihe unsere Satzspiegelhöhe?

100 mm = 5 Teile
8 Teile sind (100/5)*8 = ca. 160 mm.

 

Randverteilung:

In der Buchsatztypographie verteilt man tradionell den Weißraum i.d.R. vom Bund aus nach außen, also im Bund am wenigsten Weißraum (aber genug damit beim gebundenen Buch der Text nicht in den Bund rutscht), dann im Kopf, außen und im Fuß wird am meisten Weißraum verteilt. So fallen die Seiten nicht auseinander und harmonieren auf einer Doppelseite gut miteinander. (Natürlich kann man je nach Thema ganz spezielle Satzspiegel bauen. Das hier beschriebene gilt nur für ein klassisches Lesebuch z.B.)

Seitenbreite (148 mm) minus Satzspiegelbreite (100mm), bleiben 48 mm zu verteilen. 5 Teile außen, 3 Teile für den Bund:

Außensteg: (48/8)*5 = 30 mm
Bund: 48 mm – 30 mm = 18 mm

Vertikale Ränderverteilung:
Seitenhöhe (237 mm) minus Satzspiegelhöhe (160 mm), bleiben 77 mm zu verteilen. Hier auch wieder: Fuß: 5 Teile, Kopf: 3 Teile.

Fußsteg:
(77/8)*5 = 48 mm

Bleiben für den Kopf:
77 – 48 = 29 mm

Hier im Screenshot sieht man sehr schön den Aufbau einer Doppelseite nach diesem System.

 

Neuner- und Zwölferteilung

Eine sehr viel einfachere, andere Möglichkeit, ist die der 9er oder 12er Teilung. Dazu teilt man die Seite einfach in 9 gleiche Teile, sowohl in der Breite sowie auch in der Höhe. Der Satzspiegel ist dann so, dass der Kopf und der Bund ein Teil darstellt und der Fuß und Außensteg 2 Teile.

 

Allerdings ist dieser Satzspiegelaufbau sehr großzügig was den Weißraum angeht. In der Praxis arbeitet man vielleicht doch eher mit einer Zwölferteilung, die die Seite mehr ausnutzt. Das gleiche Prinzip hier: Seite in 12 gleiche Einheiten teilen.

 

Allerdings ist für mein persönliches Empfinden meist der Bund hierbei etwas zu klein geraten. Im Großen und Ganzen sollte immer das gute typographische Auge das letzte »Wort« haben.

 

Quelle: http://www.sachaheck.net/

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