Druckindustrie 4.0

23. November 2016 | Von | Kategorie: ohne Kategorie, Print
Fachkongress in Wiesloch zeigte Perspektiven für die digitale Zukunft der Branche auf

Das Schlagwort „Industrie 4.0“ ist in der Druckindustrie angekommen und wird als „Print 4.0“ oder „Drucken 4.0“ adaptiert. „Daten sind für unsere Branche der neue Rohstoff“, betonte Michael Neugart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Heidelberger Druckmaschinen Vertrieb Deutschland GmbH, bei einem Fachkongress der Verbände Druck und Medien (VDM) Baden-Württemberg und Bayern in Wiesloch. Unter dem Motto „So geht Zukunft! Druckindustrie 4.0“ gingen rund 150 Fachleute der Frage nach, wie die Printmedienindustrie das Digitalzeitalter für sich nutzen kann. „Eine abschließende Definition, was Industrie 4.0 für die Druckbranche konkret bedeutet, gibt es noch nicht“, erklärte Alexander Lägeler, Geschäftsführer des VDM in Baden-Württemberg. Die Unternehmen befänden sich hier noch in einer Findungsphase. Im Laufe des Kongresses kristallisierten sich zwei wichtige Erkenntnisse heraus: Es gibt eine Tendenz weg vom Drucker hin zum modernen Kommunikationsdienstleister und IT-basiertes Schnittstellenmanagement mit dem Kunden ist von entscheidender Bedeutung.

Auf alle Fälle böten sich „eine Reihe exzellenter Chancen“, bekräftigte der Chefredakteur des Fachmagazins „Deutscher Drucker“, Bernhard Niemela. Dies gelte auch für kleinere und mittlere Unternehmen. „Vielleicht sind die Chancen in unserer Branche sogar größer als in anderen, weil wir ja schon seit längerem mit digitalen Daten arbeiten und nicht bei null anfangen müssen“, fügte er hinzu. Kaum ein Drucker werde in Zukunft um den Aufbau einer IT-Infrastruktur herumkommen. Für Professor Dr. Klaus Thaler von der Hochschule der Medien in Stuttgart bedeutet Drucken 4.0 „nicht mehr und nicht weniger als einen Paradigmenwechsel, bei dem alte Spielregeln gebrochen und vollkommen neu definiert werden.“

Einig waren sich die Referenten darin, dass Digitalisierung weit mehr bedeute, als digital zu drucken oder die Druckprozesse zu automatisieren. „Es genügt nicht mehr zu sagen: wir können gut drucken“, so Thaler. Stattdessen müssten die Marktteilnehmer Leistungen erbringen, „die weit über das Drucktechnische hinausgingen.“ Individualisierte Druckprodukte böten hier einen guten Ansatz. Wichtig sei es, die Datenschnittstelle zum Kunden mit Hilfe von Web-Portalen zu besetzen, zeigte sich Torben Schanz vom Medienlogistik-Dienstleister Star Corporation in Stuttgart überzeugt. „Als reine Drucker und Lieferanten sind wir austauschbar. Aber wenn wir die Schnittstelle zum Kunden unter Kontrolle haben, dann sind wir es nicht mehr.“

Steffen Setzer von der Berliner Onlinedruckerei Laserline ging noch einen Schritt weiter. „Wir müssen alle Prozesse um den Kunden herum miteinander vernetzen, vor allem in Sachen Service.“ Mit der intelligenten Nutzung von Daten lasse sich bereits heute vieles in die richtige Richtung lenken. „Wer die Daten hat, der hat auch die Kunden“, betonte Setzer. Klassische Web-Shops brauche es eigentlich gar nicht mehr. „Warum sollte es nicht möglich sein, dass eine Sekretärin ganz einfach mit einem einzigen Knopfdruck Briefbogen nachbestellt“, warf er einen Blick in die digitale Zukunft der Kundenbeziehung.

Daten sammeln, Daten analysieren, Daten nutzen

Schon heute bietet die Heidelberger Druckmaschinen AG – Mitveranstalterin des Kongresses – unter dem Schlagwort „Smart Print Shop“ eine Reihe von Komponenten für automatisiertes Drucken wie auch für Schnittstellenmanagement. Mit der neuen Bedienphilosophie „Push to Stop“ läuft der Druckprozess softwaregesteuert weitgehend autonom ab. Der Drucker greift nur noch dann in den Prozess ein, wenn es unbedingt erforderlich ist. Ein anderer Ansatz ist es, mithilfe mehrerer tausender in die Druckmaschine integrierter Sensoren zu erwartende Störungen und Fehler im Druckprozess vorauszusagen und zu beheben, bevor sie tatsächlich auftreten. Michael Neugart abschließend: „Für die meisten Druckunternehmen wird die digitalisierte Wertschöpfungskette unverzichtbar – schlicht um zukunfts- und wettbewerbsfähig zu bleiben.“

 

Quelle: print.de

 

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