Einführung in den digitalen Workflow

20. Mai 2014 | Von | Kategorie: Lernfeld 3, Workflow
Seit einigen Jahren durchdringt ein Schlagwort die Druckindustrie: der „digitale Workflow“. Die Herstellung von Druckprodukten hat sich über Jahrzehnte sukzessive vom Handwerk zur industriellen Fertigung entwickelt. Wie bereits in anderen industriellen Bereichen gewinnt die computerintegrierte Fertigung (CIM, Computer Integrated Manufacturing) auch für die Druckindustrie immer mehr an Bedeutung. Für die Druckereien ergibt sich dadurch in erster Linie ein deutlich höheres Automatisierungspotential sowohl für einzelne Teilprozesse als auch für den gesamten Produktionsablauf. Die daraus resultierende Verringerung des Produktionsfaktors Zeit ist für Druckereien von entscheidender Bedeutung, weil in der gesamten Medienindustrie Informationen immer schneller verarbeitet und über unterschiedliche Publikationskanäle verbreitet werden, nicht zuletzt durch den lawinenartigen Einzug des Internets.Der digitale Workflow oder die computerintegrierte Fertigung von Druckprodukten setzt eine vollständige elektronische Vernetzung der Teilprozesse voraus und zielt auf die Integration von Auftragsvorbereitung, Druckvorstufe, Druck sowie Druckweiterverarbeitung und Versandabwicklung ab. Bei der Umsetzung trifft man zumeist auf zwei Haupthindernisse: zum einen inkompatible Systeme und Schnittstellen und zum anderen eine eingeschränkte Verfügbarkeit von elektronisch steuerbaren Maschinen, vor allem im Bereich der Druckweiterverarbeitung. Aufgrund der enormen Investitionskosten für moderne Maschinen oder Workflow-Systeme wählen viele Firmen den sukzessiven Einstieg in den digitalen Workflow, welcher in verschiedenen Stufen erfolgen kann (siehe Abb.).

Varianten des digitalen Workflows in der Printmedienherstellung
Die Vorteile, Herausforderungen und Möglichkeiten des digitalen Workflows

  • Zeiteinsparung
    • beschleunigte Druckvorlagenherstellung (Film, Druckplatte)
    • kürzere Maschinenrüstzeiten in Druck und Weiterverarbeitung
  • Materialeinsparung
    • mit CtP entfallen Film und Filmentwicklungschemikalien
    • durch kürzere Rüstzeiten fallen weniger Makulaturbogen in Druck und Weiterverarbeitung an
  • Qualitätsverbessungen
    • alle Teilbereiche profitieren von einem Qualitätszuwachs
    • vor allem durch die Genauigkeit und Reproduzierbarkeit der Tonwertübertragung
    • die Standardisierung des gesamten Prozessablaufs wird vereinfacht
  • Qualitätsmanagment
    • die Anwendung von Kontrollinstanzen ist im digitalen Workflow unabdingbar
    • ein wichtiger Arbeitsschritt ist zum Beispiel die Ein- und Ausgangskontrolle von Daten (Preflight-Check)
  • Digitalproof
    • dient der Simulation des späteren Druckergebnisses
    • mit der Einführung von CtP müssen dabei digitale Proofverfahren eingesetzt werden
  • Kurzfristige Änderungen
    • sind im digitalen Workflow relativ problemlos, da zum Beispiel noch während der Bogenmontage am Datenbestand modifiziert werden kann
  • Datenarchivierung
    • digitale Daten lassen sich platzsparender archivieren als Filme und Montagefolien
    • Voraussetzung ist ein durchdachtes Archivierungssystem
    • digitale Daten können mit oder ohne Änderungen für Neu- und Wiederholaufträge verwendet werden
    • dies gilt auch für CIP-Daten zur Steuerung und das Rüsten der Maschinen
  • Datensicherung
    • digitale Daten sind das Auftragsvermögen im digitalen Workflow
    • Datenverluste können zu gravierenden zeiltlichen und wirtschaftlichen Verlusten führen
    • Backup-Systeme und Überspannungsschutzeinrichtungen sind unter anderem wichtige Sicherungsmaßnahmen
  • Rationaliserung
    • durch Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen entfallen manuelle Hilfsarbeiten
    • die Zusammenführung von einzelnen Prozesschritten hat eine veränderte Personalstruktur zur Folge
  • Fachpersonal
    • einerseits sind durch den digitalen Workflow Personaleinsparungen möglich, andererseits steigen die Anforderungen an Qualifizierung und Know-how des Personals
    • dies macht sich besonders im Teilprozess Druckvorstufe bemerkbar
  • Dezentrale Herstellung / Dezentrales Publizieren
    • eine durchgehende Digitalisierung ermöglicht die räumliche Trennung von den Teilschritten Satzherstellung, Bilderfassung, Proofen, Belichtung etc.
    • Voraussetzung dafür ist die Kommunikation zwischen den Beteiligten über Netzwerke (z.B. Intranet, Internet)

 

Teilprozess Druckvorstufe
Bei der Herstellung eines Druckerzeugnisses unterscheidet man im Wesentlichen drei aufeinanderfolgende Teilprozesse: die Druckvorstufe, den Druck und die Druckweiterverarbeitung. Die Druckvorstufe (Prepress) umfasst dabei alle Arbeitsschritte, die von der Erfassung von Text, Bildern und Grafik sowie der Seitengestaltung bis zur Herstellung der druckfertigen Druckplatte notwendig sind. Der dabei digital aufbereitete Informationsgehalt ist gleichzeitig Ausgangsbasis für weitere Publikationskanäle im Medienbereich wie das Internet und die CD-ROM. Man bezeichnet daher den Prozess der Aufbereitung von Text und Bild für unterschiedliche Publikationsmedien auch als Medienvorstufe (Premedia), welcher vor der jeweils zweckbestimmten Ausgabe als elektronisches oder gedrucktes Medienerzeugnis endet. Innerhalb der Druckvorstufe hat sich in den letzten Jahrzehnten durch den Einzug der Computertechnik und der digitalen Informationsverarbeitung ein grundlegender Wandel vollzogen. Man unterscheidet daher die beiden Vorstufentechnologien konventionelle und digitale Druckvorstufe. Das Kriterium für diese Differenzierung ist die Art der Verwendung des Medium Film.Der konventionellen Druckvorstufe werden alle technologischen Varianten zugeordnet, die zur Seiten- oder Druckbogenbeschreibung Einzelfilme auf einem Filmbelichter ausgeben und durch den Prozess der manuellen Bogenmontage zu einem ganzen Druckbogen zusammenstellen. Alle anderen technologischen Varianten, deren Ausgabeweg über die Computer-to…-Technologien (Computer-to-Film, Computer-to-Plate, Computer-to-Press) erfolgt, zählt man zur digitalen Druckvorstufe, wobei dadurch deutlich wird, dass durch diese Technologien die Teilprozesse Druckvorstufe und Druck immer mehr zusammenrücken. Ein weiterer Wandel zeigt sich durch die Vorverlagerung einzelner Arbeitsschritte in der Prozesskette. Die Texterfassung erfolgt zunehmend beim Kunden und in Agenturen. Die Bildreproduktion und die Seitengestaltung werden ebenfalls von den Agenturen übernommen. Zum eigentlichen Kerngeschäft reiner Vorstufenbetriebe sind die Ausgabetechnologien geworden.

RIP-Prozess im PostScript-Workflow
Die Herstellung einer digitalen Seite und eines kompletten Druckbogens erfolgt durch diese wesentlichen Arbeitsschritte: Texterfassung, Bilderfassung (Scannen oder Digitalfotografie) und Bildbearbeitung, Grafikerstellung, Seitengestaltung (Layout), digitale Bogenmontage und Erzeugung eines „digitalen Masters“ der gesamten Druckseite. Zwischen den einzelnen Schritten wird der Datenbestand je nach Anforderung des Auftrages über unterschiedliche digitale Proof-Verfahren überprüft. Häufig eingesetzt werden z.B. folgende Proof-Verfahren:

  • der Konzept-Proof (Laserdrucker) zur Prüfung des Seitenlayouts und Inhalts
  • der Farb-Proof (z.B. Ink Jet Proofer) zur Prüfung des visuellen Farbeindrucks und der Farbverbindlichkeit gleichzeitig Referenzgrundlage für den späteren Auflagendruck)
  • der Form-Proof (auch Bogen-, Stand- oder Imposition-Proof) zur Prüfung des richtigen Seitenstandes auf dem ausgeschossenen Bogen.

RIP-Prozess im PDF-Workflow
Nach der Seitengestaltung wird dann aus dem Layoutprogramm eine PostScript- und daraus anschließend eine PDF-Datei erzeugt, die alle notwendigen Informationen (Text, Bild, Grafik, Schriften) für die Beschreibung der digitalen Seite enthält: der „digitale Master“. Bei der Erstellung dieser Dateien unterscheidet man zwischen „vorseparierten“ und sogenannten „composite“ Dateien. In modernen Workflows werden meist ausschließlich composite PDF-Dateien verarbeitet, da damit ein hohes Maß an Flexibilität und Sicherheit gewährleistet ist. Auf einem Zentralrechner (Server) wird der „digitale Master“ dann mittels Preflight-Check (Datenprüfung) auf die Verarbeitbarkeit hinsichtlich des Ausgabezwecks überprüft. Die Einzelseiten werden dann per digitaler Bogenmontage nach dem entsprechenden Ausschießschema zu einem Druckbogen zusammengestellt und an den Raster Image Prozessor (RIP) weitergeleitet. Der RIP steuert das jeweilige Ausgabegerät und hat dabei die Aufgabe, die Seitenbeschreibungsdaten des Druckauftrags in eine für das Gerät angepasste Bitmap hinsichtlich Farbauszüge, Rasterung und Auflösung umzusetzen (siehe Abb.). Ergebnis der Datenausgabe ist entweder ein Ganzbogenfilm als Vorlage für die Druckplattenkopie (CtF) oder eine Druckplatte (CtP) für den Druck. Bei den Computer-to-Press-Technologien (Direct Imaging- oder Non-Impact-Verfahren) werden die Daten direkt in der Druckmaschine oder -gerät verarbeitet. Bei der DI-Technologie wird die Druckform, ohne das eine manuelle Handhabung erforderlich ist, in der Druckmaschine bebildert. Bei den NIP-Verfahren (auch Computer-to-Print) wird z.B. beim elektrofotografischen Verfahren ein dem Druckbild entsprechendes Ladungsbild auf einer Bildtrommel erzeugt, anschließend eingefärbt (z.B. mit Pudertoner) und auf das Papier übertragen. Im Gegensatz dazu wird bei den InkJet-Verfahren die Farbe aus Düsen gespritzt und die Bebilderung erfolgt direkt auf den Bedruckstoff.

 

Teilprozess Druck

Der Arbeitsablauf im Teilprozess Druck beginnt mit der Übergabe der bebilderten Druckplatte aus der Druckvorstufe. In der Druckvorstufe ist dabei entweder ein Computer-to-Film- oder Computer-to-Plate-Workflow vorgelagert. Bei Letzterem gehören Hohlkopien, vertauschte Filme beim Montieren und Fehlpasser aufgrund der direkten Plattenbebilderung der Vergangenheit an. Ein weiterer Vorteil ist die Reduzierung des Zeitaufwands beim Einrichten durch den optimalen Passer und damit die Verringerung des Makulaturverbrauchs. Im Vergleich zu CtF und CtP bieten die Computer-to-Press-Verfahren einen noch größeren Grad der Umsetzung des digitalen Workflows von der Druckvorstufe bis zum Druck. Man unterscheidet dabei einmal die Direct Imaging-Technologie (DI), bei der die Druckform direkt in der Druckmaschine auf Basis des digitalen Datenbestandes bebildert wird und die Non-Impact-Verfahren (NIP oder auch Computer-to-Print), die im Gegensatz zum DI-Verfahren keine Druckform für das Bebildern des Bedruckstoffes erfordern.

Den Computer-to-…-Technologien im digitalen Workflow ist eine beträchtliche Steigerung der Qualität und Produktivität im Drucksaal gemeinsam, da z.B. die Registerstellung der Druckplatten besser und der Punktzuwachs im Druck geringer ist. Des Weiteren lassen sich durch die Vorbestimmung des Farbprofils (CIP3/CIP4) und die Voreinstellung der Farbregler die Rüstzeiten an der Druckmaschine verkürzen, denn die Druckplatten laufen schneller ein und es fällt weniger Makulatur bis zur richtigen Farbeinstellung an. Aufgrund dieser Vorteile werden die Computer-to-…-Technologien – ob CtF, CtP oder CtPress – immer mehr in den Druckereien eingesetzt, und dies auch in kombinierter Form.

 

Teilprozess Druckweiterverarbeitung

Die Druckweiterverarbeitung ist ein Teilbereich der Drucktechnik, in dem das Druckprodukt die geforderte Gestalt und endgültige Gebrauchseigenschaft erhält. Die Endprodukte der Druckweiterverarbeitung sind vielfältig und durch ihre Konstruktion (Gestalt) und die vom Informationsinhalt bestimmten Gebrauchseigenschaften gekennzeichnet. So sollen z.B. Verpackungen ein Produkt vor äußeren Einflüssen schützen und gleichzeitig Kaufinteresse beim Kunden wecken während von einem Buch mit Festeinband unter anderem ein gutes Aufschlagverhalten gefordert wird. Die Vielfalt der buchbinderischen Erzeugnisse in der Druckweiterverarbeitung wird durch die nachfolgenden Beispiel-Endprodukte deutlich: Einzelblätter, Falzbogen, Zeitungen, Hefte, Broschüren, Festeinbände, Blattsammlungen sowie Verpackungsmittel.

Der Herstellungsprozess der Druckweiterverarbeitung ist so vielfältig, das auch hier eine Gliederung in Prozessabschnitte zweckmäßig ist. Jeder Prozessabschnitt charakterisiert dabei die Umwandlung eines Teilprodukts hinsichtlich des gewünschten Verarbeitungszieles. Prozesse wie Schneiden, Falzen, Zusammentragen und Binden sind wichtige Weiterverarbeitungstechniken zur Erzeugung eines fertigen Druckprodukts. Die klassische Buchbinderei, die Herstellung von Büchern mit Festeinband, bildet heute nur noch einen kleinen Teil des Gesamtvolumens der Weiterverarbeitung. In der industriellen Druckweiterverarbeitung bildeten sich somit gemischte Betriebe bzw. an Druckereien angegliederte Betriebsteile für die Herstellung buchbinderischer Druckerzeugnisse heraus.

Auch in der Druckweiterverarbeitung wurden in den letzten Jahren mehr und mehr automatisierte Produktionsabläufe möglich, jedoch längst nicht in dem Maße wie dies in den Teilprozessen Druck und vor allem Druckvorstufe möglich ist. Nicht zuletzt durch die unterschiedlichen Prozesse sondern auch aufgrund der Komplexität der mechanischen Abläufe sind noch weit mehr manuelle Eingriffe in die Prozessabläufe notwendig als in den beiden anderen Bereichen. Deshalb werden auch im Bereich der Weiterverarbeitung, vor allem durch die CIP3- bzw. jetzt CIP4-Initiative, verstärkte Anstrengungen zur Implementierung von CIM (Computer Integrated Manufacturing) unternommen.

 

Teilprozess Versand

Für die Distributionslogistik, d.h. die Verteilung von Druckerzeugnissen, ist in der Wertschöpfungskette bei der Herstellung von Druckprodukten der Verlag zuständig. Für die Produktgruppen Zeitungen, Zeitschriften und Bücher gibt es dabei unterschiedliche Anforderungen. Für Erstere unterscheidet man die Verteilkonzepte Abonnementvertrieb, Boulevardvertrieb und kostenlose Verteilzeitungen.

Je nach Vertriebsform und auch Organisation, die den Vertrieb und logistischen Versand koordiniert und abwickelt, liefern dann die Druckereien das Fertigprodukt an unterschiedliche Zieladressen. Dies kann zum einen der Verlag direkt (v.a. bei regionalen Zeitungen), eine Verlagsauslieferung, ein Zustellservice oder Zwischenverteilzentrum und zum anderen die Werbeagentur oder ein anderer Auftraggeber der Druckerei sein.

Beim Beispiel Zeitschriften wird der Anteil der Abonnentenexemplare im Allgemeinen per Post zugestellt. Eigenständige Serviceunternehmen übernehmen für den Verlag dabei die Adressverwaltung und die Aufbereitung für den Postversand. Die Druckerei liefert dann die Menge der benötigten Zeitschriften direkt an das Serviceunternehmen, so dass dort der weitere Vertrieb zum Endkunden abgewickelt werden kann.

 

Quelle: http://www.druckportal-sachsen.de

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