Funktion und Erstellung einer Konzeption

20. Oktober 2014 | Von | Kategorie: Ausbildung

GRUNDSÄTZLICHES

Die wenigsten, die eine Ausbildung zum Mediengestalter / zur Mediengestalterin beginnen, haben sich bis zu diesem Zeitpunkt Gedanken über die Frage gemacht „Wie erkläre ich jemand das, was ich gestaltet habe?“. In der Regel wird etwas gestaltet und dann „gefällt“ das Ergebnis oder nicht. Warum das so ist, wird nicht weiter behandelt. Nicht nur, weil das gar
nicht als notwendig empfunden wird, sondern auch, weil man oft gar nicht weiß „wie“ man das „erklären“ kann. Als Mediengestalter/in können Sie jedoch nicht stehen bleiben bei Aussagen wie: „das gefällt mir“, „das gefällt mir nicht“. Ihre
Arbeit soll ihren Auftraggeber/innen helfen, deren Produkte zu verkaufen. Das heißt vor allem, dass das, was Sie als Mediengestalter/ in herstellen, „funktionieren“ muss im Sinne erfolgreicher, visueller Kommunikation. Das wiederum setzt erstens voraus, dass Sie die Gesetzmäßigkeiten und Regeln einer solchen Kommunikation kennen und anwenden können, und dass Sie zweitens in der Lage sind, Kund/innen davon zu überzeugen, dass genau Ihre Arbeit diese Kriterien erfolgreicher visueller Kommunikation erfüllt. Eine Konzeption bedeutet nichts anderes als das Verschriftlichen Ihrer gestalterischen Überlegungen und Entscheidungen. Sie erfüllt damit zwei Funktionen:
– Sie werden veranlasst, sich die Fachsprache anzueignen und diese professionell anzuwenden
‑ Sie werden veranlasst, visuelle Phänomene, typografische und bildliche im Besonderen, zu erkennen, zu interpretieren
und sie Dritten gegenüber verständlich zu kommunizieren. Übung macht auch hier die Meister/innen! Lange vor der Abschlusspüfung! In dieser Prüfung ist die Konzeption ein fester Bestandteil. Die folgenden Ausführungen sollen daher vor allem Hinweise für eine Konzeption geben, wie Sie in der Abschlussprüfung von Ihnen erwartet wird.

 

WELCHE FUNKTION HAT DIE KONZEPTION?

Die Argumente sollen den Kunden überzeugen. Die Prüfungskommission will überzeugt werden, dass das, was Sie im Konzept schreiben, auch visualisiert ist.

 

WAS MUSS IN EINE KONZEPTION HINEIN?

Eine kurze, stichpunktartige Hinführung zur Auftragsstellung, keinesfalls eine wortwörtliche Wiederholung des Briefings. Überzeugende Erläuterungen zu Ihren gestalterischen Entscheidungen, keine Beschreibung dessen, was sowieso zu sehen ist. Zusätzliche Erläuterungen für alles, was Widerspruch auslösen kann. Vermeiden Sie Kritik an den Kundendaten.

 

WORAUF MUSS BEI DEN ERLÄUTERUNGEN EINGEGANGEN WERDEN?

0 – Vorüberlegungen
Grundlegende Überlegungen müssen das Umfeld klären: wer ist der Auftraggeber, wie sieht die Konkurrenz aus, welche speziellen Bedingungen gibt es (ist der Auftraggeber international, landesweit oder nur regional aktiv). Daraus leitet sich ab, welche Zielgruppe angesprochen werden kann.

1 ‑ Zielgruppe
Anhand des Briefings muss definiert werden, für welche Zielgruppe der Auftrag ausgeführt wird. Hierbei ist auf unbewiesene Behauptungen ebenso wie auf gänzlich vage Formulierungen zu verzichten. Man sollte auch nicht die vagen Äußerungen zur Zielgruppe aus dem Briefings nur einfach wiederholen; alle Menschen können als Zielgruppe nicht angesprochen werden. Ist die Zielgruppenbeschreibung im Briefing zu unscharf, muss sie geschärft werden! Nur daraus kann ich ableiten, für wen ich die Gestaltung mache und wie. Z.B. Zur Förderung eines sozialen Projektes mit dem Titel „Sacred Landscape“ in einem Reservat der USA sollen mit der zu erstellenden Broschüre Sponsoren gewonnen werden. Die Zielgruppe wäre also durch mindestens zwei Kriterien zu bestimmen: interessiert an sozialem Engagement (aktiv / passiv) und finanzkräftig. Hier z. B. zusätzlich eine Altersbegrenzung
– z. B. Menschen zwischen 20 und 40 Jahren – anzugeben, bleibt ohne Angabe, etwa von statistischen Daten, auf der Ebene der Behauptung und wirkt daher „an den Haaren herbeigezogen“, unglaubwürdig, nicht überzeugend.

Alle weiteren Ausführungen sollen sich nun auf das Thema und die Zielgruppe beziehen. Gestalterische Entscheidungen sollen also nicht damit begründet werden „weil es mir gefällt“ oder „ich finde diese Schrift so schön, deshalb…“

2 – Hauptidee (Mainidea) 2
Welcher Zielgruppe soll mit welcher Maßnahme welcher Inhalt vermittelt werden (es können eventuell auch mehrere Maßnahmen und mehrere Inhalte sein). Aufgrund der Bestimmung der Zielgruppe müssen Sie begründen, welche Idee Sie haben, mit der sie die Zielgruppe erreichen
wollen. Aus dieser Idee leiten sich alle weiteren Entscheidungen Ihrer Gestaltung ab.

3 ‑ Formatwahl
Die Wahl des (End) Formats ist die erste gestalterische Entscheidung. Im Briefing ist dafür in der Regel ein Maximalmaß gegeben. Dies darf nicht überschritten werden. Ist ein Spielraum vorgegeben, innerhalb dessen diese Maße variieren können, so lässt sich dieser auch nutzen, um zu interessanteren Endformaten zu kommen. Wenn auch Spielraum für die Formatlage (hoch oder quer) gegeben ist, sollte dies bei der Formatwahl berücksichtigt und mit Blick auf Thema / Zielgruppe begründet werden. Z. B. Konnte beim Projekt „Sacred Landscape“ bei einer Formatvorgabe von 210 x 105 mm oder 105 x 210 mm das Querformat hervorragend begründet werden mit dem Hinweis, hier geht es u.a. um Landschaft, Ansichten von Landschaft usw.

4 ‑ Layout
Begründen Sie die Anlage Ihres Layouts.
– Stand des Satzspiegels, Stegbreiten
– Paginierung oder Begründung, warum darauf verzichtet wird
– Verteilung von Text und Bild
– Viel oder wenig Weißraum
– Durchgehend einheitlich oder mit Variationen.
– Variationen im Layoutkonzept müssen sachlogisch sein und bedürfen der Erläuterung.

5 ‑ Satz und Typografie
Begründen Sie Ihre typografischen Entscheidungen.
– Gliederung von Text durch Überschriften und Abschnitte: Begründen Sie die Art und Weise der Gliederung, mit oder ohne Einzüge
– Schriftwahl und Schriftmischung: Geben Sie genau an welche Schriftart, welcher Schriftschnitt wo eingesetzt wird und begründen Sie, inwiefern diese Wahl Thema / Zielgruppe angemessen ist.
– Schriftgrößen, Zeilenabstand: Geben sie auch hier genau an welche Schriftgröße, wo eingesetzt wird.
– Begründen Sie Zeilenlängen, eventuell Laufweiten
– Begründen Sie die Satzart, die sie verwenden. Blocksatz mit seiner geraden, ruhigen, hermetischen, ordentliche Wirkung. Flattersatz, der mehr Weißraum entstehen lässt und daher heller, „luftiger“ aber auch unruhiger wirken kann.
– Nehmen Sie Stellung zur Leseführung /Navigation (mit grafischer Darstellung) für Nonprint
– Nehmen Sie Stellung zum Grauwert der Seiten.

6 ‑ Bilder
Begründen Sie die Wahl der Bilder, die Sie verwenden (Inhalt / Anzahl) und erläutern Sie Eingriffe in das Bildmaterial (Format, Größe, Ausschnittwahl, Farbänderungen, Deckungsstärke), immer in Bezug auf das Thema / Zielgruppe. Begründen Sie den Einsatz des Bildmaterials im Layout aus gestalterischer und inhaltlicher Sicht.

7 ‑ Farbwahl
Ob überhaupt in Farbe und mit wie viel Farben der Auftrag ausgeführt werden kann, sollte im Briefing vorgegeben werden. Die Wahl der Farben und Farbkombinationen muss ebenfalls vom Thema / der Zielgruppe her begründet werden. Dazu sollten Sie die verschiedenen Bedeutungen von Farbe kennen (Buchtipp: Wie Farben wirken, von Eva Heller) und diese sicher zu Thema / Zielgruppe in Beziehung setzen können. Es sollten konkrete Angaben über eingesetzte Farben gemacht werden, z.B. kleine Farbfelder als Muster anlegen, dazu die CMYK, Sonderfarben und / oder websicheren Farbwerte angeben.

8 – Formwahl
Wenn Sie Schmuckelemente verwenden, sollten diese auch immer eine funktionale Bedeutung haben, die zu begründen ist. Außerdem sollte der Einsatz der Schmuckelemente im Zusammenhang mit dem Thema / der Zielgruppe deutlich gemacht werden, z.B. amorph oder weich für Naturhaftes, kantig Geradliniges für Technisches.

9 – Papierwahl und Papiermuster
entsprechende Erläuterungen wieder im Zusammenhang mit Thema / Zielgruppe begründen

10 – Weiterverarbeitung 3
Hinweise und Erläuterungen.
Wie sollte die Konzeption verfasst werden?
sprachlich
Verwenden Sie Fachbegriffe und achten Sie im Ausdruck auch auf Fachdeutsch – keine Umgangssprache verwenden.
Wie umfangreich soll sie sein?
So lang wie nötig, so kurz wie möglich! (2 DIN A4 Seiten Text gelten als Richtwert)
Welche Form soll die Konzeption haben?
Sie soll genauso professionell gemacht (gesetzt, gestaltet) sein, wie der Auftrag selbst.
Wie soll die Konzeption präsentiert werden?
So, dass man sie gut handhaben kann und es Freude macht, sie anzusehen.

 

Quelle: http://die-mediengestalterin.de/2012/01/29/konzeption/

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