Mikrotypographie: Mit ein paar Schritten zum guten Satz

9. Oktober 2013 | Von | Kategorie: Gestaltung, Print, Typografie

Fast jeden Tag sieht man Druckerzeugnisse wo die Detailtypographie gelitten hat. Dabei sind es wirklich nur Kleinigkeiten, die aber, wenn man sie bereinigt, das Satzbild deutlich aufwerten. Genau deswegen werden im folgenden nun einige solcher typografischen Faux-Pas aufgelistet:

 

Anführungszeichen

Einen Text gut zu setzen, fängt damit an, dass man im Layoutprogramm die richtige Anführungszeichen auswählt. Für deutsche Texte werden da meist diese „ “ verwendet. Sie sehen, genauer betrachtet, aus wie eine kleine 99 und eine hochgestellte 66 zur Abführung. Daneben kann man im Deutschen auch die Winkelform benutzen, also » « und zwar mit der Spitze nach innen. Im Schweizer-Deutschen wird ausschließlich die Winkelform benutzt aber hier eher wie im Französischen, mit der Spitze nach außen, also so « ». Bei englischen Texten stehen die Anführungszeichen immer oben, und zwar 66 und 99.

 

Der Apostroph

Es gibt nur einen korrekten Apostroph und der sieht aus wie eine kleine 9. Auch bei serifenlosen Schriften, wo die 9 nicht klar zu erkennen ist, sieht man doch meist eine Verdickung im oberen Bereich. Auf dem Mac erreicht man den korrekten Apostroph immer durch Alt-Shift-!

 

Der Bis-Strich / Strecken-Strich / Spiegelstrich …

Alle genannten Striche sind lange Striche, also sogenannte Halbgeviert-Striche. Der kurze Strich (-) kommt fast ausschließlich bei Worttrennungen vor. Ansonsten ist meist der Halbgeviertstrich der richtige. Im Englischen wird sogar der Geviertstrich oft benutzt (z.B. als Gedankenstrich). Auf dem Mac ist der Halbgeviertstrich per Alt – zu erreichen.

Der Bisstrich wird wie hier im Bildbeispiel ohne Abstand gesetzt oder nur ein klein wenig ausgeglichen (z.B. Viertegeviert)

Der Gedankenstrich

Der Gedankenstrich steht immer zwischen 2 Wortzwischenräumen und ist ein Halbgeviert lang. Im Englischen meist ein ganzes Geviert lang und (fast) ohne Wortzwischenraum. Andere Länder, andere Sitten … 😉

Die Ellipse

Als Ellipse werden die oft gesehenen drei Punkte bezeichnet die meist einen Satz abschließen und den Schluss des Satzes in der Luft hängen lassen. Die Ellipse ist ein eigenständiges Zeichen und nicht einfach drei Punkte die hintereinander getippt werden. Die richtige Ellipse ist meist mehr gesperrt (spationiert). Siehe auch das oben stehende Bildbeispiel. Die Ellipse wird durch einen Wortabstand vom vorhergehenen Wort getrennt außer es wird mitten im Wort abgeschnitten: Er sagte: »Sch…«

 

Das Multiplikationszeichen

In Texten werden oft Maße angegeben, von Büchern z.B. oder in Kunstbüchern z.B. von Leinwandgrößen der Gemälde. Dabei sieht man oft den Fehler dass der Buchstabe X anstatt des richtigen Multiplikationszeichens verwendet wird. Die meisten Schriften haben ein eigenes Zeichen dafür. Wenn nicht, kann man sich des Zeichens aus der Zapf Dingbats oder einer ähnlichen Schrift bedienen. Meist muß das Multiplikationszeichen auch etwas spationiert werden weil es sonst zu sehr an den Zahlen klebt.

Die Kapitälchen

Kapitälchen werden gerne benutzt, um Autoren in wissenschaftlichen Texten oder z.B. Bibliographien auszuzeichnen. Dabei ist es wichtig nur Kapitälchen zu benutzen, wenn die Schrift diese auch anbietet. Bei PostScript und TrueType-Schriften gibt es dann meistens einen einen Schriftschnitt der als »SmallCaps« oder einfach als »sc« bezeichnet wird. Bei den OpenType-Schriften wie z.B. der Minion Pro sind die Kapitälchen bereits integriert und können in Programmen, die OpenType-Funktionen anbieten (wie InDesign aber auch X-Press), aus dem OpenType-Menü ausgewählt werden. Ist die Funktion ausgegraut oder in eckigen Klammern, ist der Schnitt nicht verfügbar.

Wenn man also jetzt Kapitälchen trotzdem durch Drücken des Kapitälchenbuttons erzwingen möchte, werden die Kapitälchen durch das Layoutprogramm nach den Vorgaben elektronisch errechnet. Diese sehen aber dann nicht schön und harmonisch aus. Richtige Kapitälchen wurde extra vom Type-Designer entworfen und haben den gleichen Schriftduktus. Bei elektronischen Kapitälchen stimmen die Strichstärken nicht überein.

Kapitälchen sollten genauso wie Versalien immer etwas gesperrt und optisch ausgeglichen werden. Versalien schreien gerne aus dem Satzbild heraus und sollten im Fließtext auch einen halben bis ein Punkt kleiner gesetzt werden. (Man kann sich dazu z.B. Zeichenformate anlegen)

Das Versal-SZ

Das lange S (oder das scharfe S) ist ein Kleinbuchstabe. Wenn Wörter also versal gesetzt werden, muß es durch Doppel-S ersetzt werden. Bisher war das so und momentan auch noch. Aber schon seit langer Zeit sind Schriftdesigner am Werkeln um endlich das Versal-ß in den Unicode Zeichensatz zu integrieren. Ob man das jetzt gut oder gar schön finden soll, ist Geschmackssache. Hier im Fontblog sieht man z.B. einige Varianten dazu.

Bei wem jetzt das Interesse geweckt ist, mehr über solche Schriftdetails und den korrekten Satz zu erfahren und so seine Layouts typografisch aufzuwerten, dem sei folgendes Werk wärmstens zu empfehlen:

 

 

Quelle: http://www.sachaheck.net

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