Monitor kalibrieren

11. April 2014 | Von | Kategorie: Colormanagement, Lernfeld 12c

Kalibrierung, Justierung, Linearisierung, Profilierung

Kalibrierung (calibration) bedeutet (entgegen weitläufiger Meinung) eigentlich nur das Feststellen der Abweichungen von einem Normalzustand. Der Normalzustand (oder Standard) ist dabei genau definiert. Die Kalibrierung, die durch Messungen oder Vergleiche zu Stande kommt, ergibt also Aussagen über den Grad der Abweichungen. Bei der Monitorkalibrierung (der Begriff wird tatsächlich oft ungenau eingesetzt) werden also nur die Abweichungen des Monitors vom Standard ermittelt, aber nicht beseitigt. Letzteres (etwa die oft vom selben Programm in Folge der Kalibrierung durchgeführten Gamma-Anpassungen) muss – der Richtigkeit halber – als Korrektur oder Justierung bezeichnet werden.

Justierung (adjustment) bedeutet das Verändern des Verhaltens eines Gerätes. In der Regel sind Justierungen Korrekturen, um die Verhaltensweise des Gerätes dem erwünschten Standard anzugleichen oder zumindest zu nähern.
Im Fall von Computermonitoren sind Helligkeits- und Kontrastanpassungen typische Justierungsmöglichkeiten. Weiters kann bei fast allen Monitoren der Weißpunkt durch Veränderung der RGB-Intensitäten justiert werden. Selbiger kann aber auch mit entsprechender Software am Computer verändert werden. Welche Methode man anwendet, spielt keine große Rolle.
Gammakorrekturen, also das Verändern des Monitor-Gamma, können nur selten am Monitor selbst durchgeführt werden – meist geschieht es softwareseitig, wobei dann die Helligkeitsübertragung der Grafikkarte manipuliert wird. Der Effekt ist aber derselbe. Unveränderlich sind bei Computermonitoren allerdings die Chromatizitäten der RGB-Primärfarben selbst.

Von Linearisierung (linearization) spricht man in der Regel bei Druckern. Linearisierung bedeutet, den Drucker in einen Zustand zu versetzen, in dem er sich „linear“ verhält, also seine Druckfarben im vollen Tonwertumfang (0-100%) druckt und die dazwischen liegenden Tonwertabstufungen regelmäßig sind. Viele Drucker beinhalten selbst Programme, die dem Anwender gestatten, diese Linearisierung „visuell“ – also ohne Messgeräte – durchzuführen. Der Linearisierungsprozess ist also eine Kombination aus Kalibrierung und einer Justierung, welche der Drucker selbst auf Basis der ermittelten Kalibrierungsergebnisse durchführt.

Profilierung (profilation) kann in den meisten Fällen nur mit Messgeräten und entsprechender Software durchgeführt werden. Ziel der Profilierung eines Gerätes ist, seine farblichen Wiedergabe- oder Aufnahmefähigkeiten exakt zu bestimmen und in Form eines Farbprofils abzuspeichern. Der Unterschied zur Kalibrierung ist hier, dass es nicht darum geht, Abweichungen von Standards festzustellen (die kompensiert werden wollen), sondern das Gesamtverhalten exakt zu dokumentieren. Die aus der Profilierung hervorgehenden Farbprofile können daraufhin vom Color Management System bzw. CM-fähigen Applikationen genützt werden, um das Verhalten des profilierten Gerätes vorhersagen und darauf reagieren zu können.

Auch wenn es jetzt so klingen könnte – die unterschiedlichen Verfahren schließen sich gegenseitig nicht aus. Vielmehr ist es sogar sehr sinnvoll, die Techniken gemeinsam anzuwenden, allerdings in der richtigen Reihenfolge. Zuerst müssen Kalibrierung+Justierung bzw. Linearisierung durchgeführt werden, erst dann, wenn das Gerät im „Soll-Zustand“ ist, ist eine Profilierung zweckmäßig. Neukalibrierungen/-justierungen und Neuprofilierungen können dann in weiterer Folge unabhängig voneinander durchgeführt werden – je nachdem, welche Veränderungen dies nötig machen.

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