Neue ISO 12647-2 (2013)

16. März 2015 | Von | Kategorie: Abschlußprüfung 2015, Colormanagement

Die ISO 12647-2 ist Ende 2013 neu erschienen. Die Revision einer wichtigen Grundlage des ProzessStandard Offsetdruck enthält eine Reihe Änderungen und Aktualisierungen der zuletzt 2004 (2007) erschienen Norm.

Die Anwender (Druckereien, Hersteller, Verbände) erarbeiten derzeit gemeinsam modifizierte Charakterisierungsdaten und ICC-Profile auf Basis der neuen ISO 12647-2. Die Prinzipien der Prozesskontrolle (ProzessStandard Offsetdruck) bleiben erhalten. Änderungen gibt es in einzelnen Bereichen, die in der betrieblichen Praxis nicht immer einfach umzusetzen sind. Es werden, wie schon in früheren Fällen üblich, Übergangsfristen für die Umsetzung und Einführung der neuen Druckbedingungen in den Betrieben nötig sein.

Es besteht zur Zeit noch keine Notwendigkeit und kein Zwang, die neue ISO 12647-2 sofort und ohne ausreichende Erprobung umzusetzen, solange keine endgültigen Charakterisierungsdaten/Profile freigegeben sind. Die Verbände informieren Sie rechtzeitig, wann die neue Norm umgesetzt werden kann.

Neue Norm ISO 12647-2

Nach mehrjährigen, teilweise kontroversen Beratungen im ISO TC 130 Graphic Technology (Gegenkonzept aus USA, G7/IDEAlliance) konnte die Revision der Normserie ISO 12647 erfolgreich abgeschlossen werden. Die endgültigen Normen ISO 12647-1, ISO 12647-2 (Offsetdruck) und ISO 12647-3 (Zeitungsdruck) sind am 12. Dezember 2013 vom ISO Zentralsekretariat, Genf, veröffentlicht worden. Die neue Norm ISO 12647-2 für den Offsetdruck enthält eine Reihe von wesentlichen Veränderungen. Dabei wurde die Norm ISO 12647-7 (Proof) nicht berücksichtigt. Das führt unweigerlich zu Abstimmungsproblemen zwischen den beiden Normen und somit zwischen Kunde und Druckerei.

Neue Druckbedingungen (bvdm/ECI/Fogra) im Test

Auf der Grundlage der neuen Norm ISO 12647-2 für den Offsetdruck werden im ersten Halbjahr 2014 neue Charakterisierungsdaten und ICC-Profile entwickelt. Dies erfolgt in bewährter Abstimmung und Zusammenarbeit von bvdm, ECI und Fogra. In einer Serie von Testdrucken in ausgewählten Unternehmen werden die neuen Charakterisierungsdaten und ICC-Profile, die rechnerisch entwickelt wurden, für die wichtigsten Offsetdruckbedingungen „PC1“ (gestrichene Premiumpapiere, vorrangig Bogenoffset), „PC5“ (ungestrichene Papiere, vorrangig Bogenoffset) sowie „PC3“ (LWC Standard, Rollenoffset) überprüft. Weitere Druckbedingungen können voraussichtlich auch rechnerisch angepasst werden.

Bisherige Druckbedingungen (ICC-Profile) bleiben einstweilen gültig. Bis zur Veröffentlichung neuer Charakterisierungsdaten und ICC-Profile gelten die bisherigen (z.B. ISO Coated V2 300 eci, Fogra39) uneingeschränkt weiter. Es ist ein sukzessiver Übergang von alten zu neuen Druckbedingungen vorgeschlagen, wie schon bei den früheren Updates (Fogra27 auf Fogra39).

ISO 12647-2:2013 – Änderungen, Aktualisierungen im Detail

Wesentliche Neuerungen betreffen die ISO 12647 Teil 2 für den Offsetdruck. Die acht Papierkategorien in der neuen Norm, vier für gestrichene, vier für ungestrichene Papiere, decken das tatsächlich am Markt vorherrschende Angebot deutlich besser ab als die bisherigen fünf Papiertypen. Die nunmehr fünf Tonwertkurven A bis E wurden dem tatsächlichen Druckverhalten mit linearen Platten (Computer-to-Plate) angepasst. Auf die filmbasierte Arbeitsweise wird nicht mehr Bezug genommen.

Die Tonwertzunahmen für die Primärfarben Cyan, Magenta und Gelb und für Schwarz sind jetzt pro Druckbedingung einheitlich, bisher lag Schwarz meist drei Prozent höher. Neben den acht Druckbedingungen für die Papierkategorien in AM-Raster (in einer Bandbreite der Rasterfeinheit von 52/cm bis 80/cm) gibt es acht Varianten für nichtperiodische Raster.

Weitere Neuerungen sind Angaben zur Graureproduktion und Graubalance. Zur Farbabstandsformel Delta Eab (1976) kommt die Variante DE00 (2000) informativ hinzu. Neben der neu eingeführten Messbedingung M1 (Messgeräte mit definierter UV-Anregung, z.B. 100%) – empfohlen, should – ist weiterhin die Messbedingung M0 (Messgeräte mit nicht definiertem UV-Anteil) anwendbar. Moderne M0-Messgeräte (Glühlampen, Halogen), wie sie heute weit verbreitet sind, haben eine typische UV-Anregung von ca. 30%-60 %. Damit ist der Unterschied der Messwerte M0/M1 bei Papieren mit merkbarem Aufhelleranteil gut messbar. Beachtet wird hier nur der fluoreszierende Anteil der Aufheller.

Die Norm beinhaltet Änderungen bei den Sollwerten und bei den Toleranzen für die Papiere (normativ). Alle Sollwerte für die Papiere in der neuen Norm sind jedoch nur noch informativ. Das „Leitmedium“ gestrichenes Papier (glänzend, semimatt, matt) hat jetzt einen Sollwert von b*-4 (bisher b*-2), die Toleranz ist mit +/- 4 sehr groß. Getestet wird derzeit ein Profil mit b*-6. Ein ungestrichenes Papier hat den selben Sollwert, jedoch nur eine Toleranz von +/-2. Hier läuft ein Test mit einem Papierweiss von b*-10.

Nicht verändert wurden die Toleranzen für den Auflagendruck (Volltöne, Tonwertzunahmen, Spreizung), da sie weiterhin als praxisgerecht angesehen werden. Die ausstehenden Druckversuche werden zeigen, in wie weit sich die bisherigen Charakterisierungsdaten und Testprofil in der Praxis bewähren.

 

Quelle: http://www.vdmb.de

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