Neues Google-Redesign

5. April 2014 | Von | Kategorie: Internet, NEWS, Vorher - Nachher

EyeQuant: Warum das neue Google-Design ein subtiler Geniestreich ist

 

Google Redesign der Suchergebnisse wirkt auf den ersten Blick marginal, hat aber gewaltige Auswirkungen. Fabian Stelzer von EyeQuant erklärt in seinem Gastartikel, welche.

 

EyeQuant: Google hat sein Versprechen gehalten

Es ist offiziell: Google hat die Gestaltung seiner Suchergebnisseiten und Werbeanzeigen dem größten Redesign seit langem unterzogen. Das Unternehmen begründet den Schritt damit, dass das neue Design „die Lesbarkeit“ verbessere und insgesamt einfach sauberer aussehe, während die Neugestaltung der Anzeigen die „Erfahrungen auf verschiedenen Ausgabegeräten etwas einheitlicher erscheinen lassen“ soll.

 

Tatsache: Die AdWords-Anzeigen der Google-Desktop-Version sind jetzt identisch mit der mobilen Version, was in jedem Fall absolut sinnvoll ist. Wir vermuten jedoch, dass etwas mehr dahinter stecken könnte. In diesem Artikel werfen wir deshalb einen genaueren Blick auf das Redesign und seine Auswirkungen auf das Blick­- und Klickverhalten der Nutzer. Dabei entdecken wir Hinweise auf die eher inoffiziellen Gründe, aus denen Google die mit Abstand wichtigste Benutzeroberfläche des Unternehmens grundlegend verändert hat.

 

EyeQuant hat sich auf simuliertes Eye-Tracking spezialisiert. (Grafik: EyeQuant)

 

Wer unsere Arbeit bei EyeQuant kennt, weiss, dass wir Computern mittels neurowissenschaftlicher Methoden und maschinellem Lernen beibringen, Designs wie Menschen zu sehen. In diesem Artikel werden wir EyeQuant verwenden, um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, wie Googles neues Design bewusst die Nutzer und somit natürlich auch die Klicks beeinflusst. Zwei Grundannahmen vorab:

 

Es ist unwahrscheinlich, dass Google Änderungen dieser Art vornimmt, ohne den Effekt auf die AdWords-Klickrate vorab genau getestet zu haben. Wir gehen davon aus, dass das neue Design in diesem Punkt mindestens genauso gut (und wahrscheinlich sogar signifikant besser) abschneidet als das alte Design.

Googles Motto ist nach wie vor „Don’t Be Evil“. Das soll unter anderem verhindern, dass sich ein Interessenkonflikt zwischen den beiden wichtigsten Stakeholdern des Unternehmens entwickeln kann, den suchenden Nutzern und den zahlenden Werbetreibenden.

 

EyeQuant: Google landet einen Geniestreich

Wie sich schon durch die Überschrift vermuten lässt, denken wir, dass das Redesign ein absoluter Geniestreich. Hier unsere Begründung: Googles neue Anzeigen ähneln den organischen Suchergebnissen jetzt sehr viel stärker als zuvor und sind trotzdem klar als Werbung gekennzeichnet. Das Besondere: Die Anzeigen erzeugen jetzt sogar mehr Aufmerksamkeit als vorher. Hier hat Google einen echten Drahtseilakt hingelegt: Bei der Gestaltung von Anzeigen muss man sich in der Regel zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden:

 

Anpassung der Anzeige an den sonstigen Inhalt, um Banner-Blindness vorzubeugen, mit der durchaus in Kauf genommenen Möglichkeit „ungewollter“ Klicks.

Die Anzeige wird auffällig gestaltet, um Blickbewegungen zu provozieren (im schlimmsten Fall mittels Animationen und Lärm …).

 

Die erste Möglichkeit ist freilich attraktiv, allerdings geht sie oft auf Kosten der Sichtbarkeit der Anzeige. Die zweite Variante macht Anzeigen sichtbarer, kann aber in manchen Fällen dazu führen, dass Nutzer sie recht schnell wieder ausblenden.

 

Was Google mit dem neuen Design schafft ist relativ einmalig

  1. Die Anzeigen sind deutlich sichtbar als solche gekennzeichnet, eventuell sogar deutlicher als zuvor.
  2. Gleichzeitig mischen sich die Anzeigen optisch viel stärker unter die organischen Suchergebnisse. Aus ethischer Sicht ist das etwas zweifelhaft, insbesondere, weil Google ähnliche Ansätze beim Design von AdSense-Anzeigen seinerzeit verboten hatte. Gleichzeitig ist das Design „juristisch“ astrein (siehe Punkt 1): Alles ist deutlich und sauber gekennzeichnet.
  3. Der Hammer ist aber, dass das neue Layout trotz Punkt 2 deutlich mehr Aufmerksamkeit auf die Anzeigen zieht als das alte.

 

eyequant Deutlicher strukturiert: Werbeeinblendungen von Google. (Grafik: EyeQuant)

 

Wir haben die Version aus dem ersten Quartal 2013 und die des neuen SERP-Layouts mit EyeQuant getestet, um herauszufinden, welche von beiden allein auf Basis des Designs mehr Aufmerksamkeit erzeugt. Da EyeQuant mit jeder Analyse komplett „frische“ Nutzer simuliert, sind Gewöhnungseffekte ausgeschlossen. Die folgenden Aufmerksamkeitskarten des alten und neuen Layouts zeigen die voraussichtliche Wahrscheinlichkeit eine Bereichs, innerhalb der ersten Sekunden wahrgenommen zu werden. Die lila markierten Bereiche zeigen dabei die drei oberen Anzeigen:

GTwv7BM Alte Version im Vergleich zur neuen Version. (Grafik: EyeQuant)

 

Rein auf Basis der Gestaltung generiert das neue Design signifikant mehr Aufmerksamkeit für die Anzeigen. Insbesondere gilt das für die begehrte (und teure) erste Position, während bei den organischen Suchergebnissen keine negative Entwicklung festzustellen ist. Wieso das für Google sehr vorteilhaft ist, muss nicht erklärt werden.

 

Die Frage bleibt: wie hat Google das gemacht?

Wir konnten auf Basis wahrnehmungsphysiologischer Aspekte vor allem drei relevante „Hacks“ rekonstruieren:

 

  1. Die vergrößerte Schrift erzeugt fast immer mehr Aufmerksamkeit (es gibt hier allerdings eine Obergrenze ab der sich der Effekt umkehrt!).
  2. Der Luminanzkontrast zwischen Text und Hintergrund ist jetzt deutlich höher (Blau auf Weiß) als im alten Design (Blau auf dem typischen AdWords-Gelb). Kontrast ist einer der grundlegendsten und effektivsten Magnete visueller Aufmerksamkeit.
  3. Das Gelb in „Ad“ liefert zusätzlich regionale Farbkontraste zum Blau, ohne dabei aufdringlich zu sein – Letzteres wird durch einen niedrigen Luminanzkontrast zwischen dem Gelb und dem weißem Hintergrund erreicht.

 

Unser Fazit: Das Google-Redesign ist trotz aller Unkenrufe ein extrem cleverer Drahtseilakt. Der Gewinner ist Google, die mit dem neuen Design mehr Aufmerksamkeit, mehr Klicks und mehr Umsatz auf die Anzeigen leiten, ohne dabei in irgendeiner Weise „evil“ zu handeln.

 

Quelle: http://t3n.de/news/eyequant-neue-google-suchergebnisdesign-537921/

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