Normlichtarten

9. Januar 2015 | Von | Kategorie: Colormanagement, Farbe sehen

In der visuellen Farbprüfung bei der Qualitätskontrolle in der  Industrie unterscheidet man 3 Tageslichtarten, die als Normlicht in Normlichtleuchten verfügbar sind: D50 mit 5000 Kelvin, D65 mit 6500 Kelvin und D75 mit 7500 Kelvin.

Normlichtart D50 – Einsatzgebiete und Anforderungen:

D50 wird ausschließlich in der graphischen Industrie zur Farbabstimmung zwischen Vorlage und Reproduktion verwendet. Hauptanwender sind Druckvorstufe, Werbeagenturen, Fotografen und nicht zuletzt die Druckerei an der Druckmaschine. Die durchgänige Verwendung von D50 vom Entwurf über die Reproduktion bis zum Druck ist für eine verlässliche Farbwiedergabe unerlässlich.

Die Normlichtart CIE D50 ist als sog. Bezugslichtart in der ISO 3664:2009 “Betrachtungsbedingungen für die graphische Technologie (Norm in englisch erhältlich unter ISO 3664 “Viewing conditions — Graphic technology and photography”) beschrieben. Dort wird auch die spektrale Energieverteilung der Lichtquelle D50 zwischen 300 nm und 780 nm im Abstand von 5 nm beschrieben. Seit der Fassung 2009 gilt ein erhöhter UV-Anteil, dadurch wurde eine Veränderung der D50 Röhren bei allen Herstellern nötig.

Bei der Zertifizierung einer Druckerei nach dem ProzessStandard Offsetdruck (=PSO) bzw. ISO 12647-2 müssen die Normlichtleuchten der ISO 3664 entsprechen. Die D50-Lichtquelle muss auf die Abmusterungsfläche eine Lichtstärke von 2000 Lux abstrahlen. Die Fogra zertifiziert Leuchtmittel und  Normlichtleuchten nach der ISO 3664. Ein Beispiel für eine von der Fogra zertifizierte Normlichtleuchte finden Sie hier. Die Prüfkriterien der Fogra für eine Zertifizierung von Normlichtkabinen finden Sie hier.

Warum D50 für die Druckindustrie?
Es gibt Meinungen, dass die Druckindustrie auf D65 umsteigen soll, weil sich D65 allgemein als Bezugslichtart durchgesetzt hat und die spektrale Lichtwellenverteilung dem natürlichen Tageslicht am mittäglichen schattigen Nordhimmel näher kommt als D50.
Dagegen spricht, dass eine ganze Branche in allen Produktionsschritten seit Jahrzehnten D50 eingeführt und in sämtliche einzelne Produktionsschritte integriert hat. Von der Kalibration der Monitore über die Druckmaschine und die Densitometrie bis zur kleinsten Normlichtleuchte am Schreibtisch des Designers basieren alle auf D50. Eine Umstellung würde viele Jahre dauern und viele Missverständnisse und Fehldrucke erzeugen. Andreas Kraushaar / Fogra hat dazu einen Artikel geschrieben, der als Sonderdruck für Fogra-Mitglieder erhältlich ist.

Normlichtart D65 – Einsatzgebiete und Anforderungen:

D65 wird in der produzierenden Industrie eingesetzt. Darunter fallen z.B. Automobil- und Kunststoffhersteller, Chemie- Pharma- und Farbenhersteller, Lebensmittelhersteller, Elektronik-, Keramik-, Papier- und Lederhersteller.

Die Normlichtart CIE D65 ist als sog. Bezugslichtart in der DIN 6173 “Farbabmusterung” (Teil 1 und 2) beschrieben und erfüllt die Anforderungen für visuelle Farbabmusterung. Ein zertifzierter Betrieb sollte bei der Anschaffung einer Normlichtleuchte auf die Konformität der Leuchte zur DIN EN ISO 3668 “Visueller Vergleich der Farbe von Beschichtungen” achten. Beispielsweise erfüllen einfache Leuchten ohne Streulichtscheibe diese Norm nicht, weil sich in glänzenden Objekten die Röhren spiegeln können. Die D65-Lichtquelle muss auf die Abmusterungsfläche eine Lichtstärke von 2000 Lux abstrahlen (wurde in der Fassung DIN EN ISO 3668:2001-12 von 1000 auf 2000 Lux erhöht).
In der DIN 5033 Teil 7 wird die spektrale Energieverteilung der Lichtquelle D65 zwischen 300 nm und 780 nm im Abstand von 5 nm beschrieben. In techn. Datenblättern wird nur der sichtbare Bereich zzgl. dem notwendigen UV-Anteil, beginnend bei etwa 360 nm bis 700 nm, dargestellt.

Normlichtart D75 – Einsatzgebiete und Anforderungen:

D75 wird in den USA analog zu D65 in Europa verwendet. Jedoch gibt es dort den Trend, nach und nach auf D65 umzurüsten. D75 hat einen wesentlich höheren Anteil blauer Lichtwellen und gibt die Farben nicht so natürlich als D65 wieder. D65 hat sich weltweit durchgesetzt, so dass man auch in USA langfristig auf D65 setzt und neue Lichtkabinen oft mit D65 gekauft werden.

In Europa spielt D75 keine Rolle. Es gibt nur wenige Hersteller, die aus Rücksicht auf ihre USA-Kunden mit D65 und D75 arbeiten. Da die beiden großen Normlichtgerätehersteller X-Rite und GTI in den USA produzieren, kann man auch in Europa Leuchten mit D75 kaufen (alle Geräte in Deutschland bei Torso-Verlag erhältlich).

Die Normlichtart CIE D75 ist in der ASTM D75 beschrieben. Eine europäische Norm oder eine ISO dazu ist uns nicht bekannt.

Verfügbare Lichtquellen:

Für D50, D65 und D75 sind verschiedene Lichtquellen auf dem Markt, derzeit hauptsächlich gefiltertes Halogenlicht und Leuchtstoffröhren. Das gefilterte Halogenlicht erzeugt keine sog. Spikes wie die Leuchtstoffröhre, kann aber kein UV-Licht abgeben, das UV-Licht muss in diesen Lichtkabinen mittels einer zusätzlichen UV-Röhre erzeugt werden.
Die übliche und preisgünstigste Lösung ist derzeit die Leuchstoffröhre, sie kann jederzeit selbst vom Anwender gewechselt werden und erzeugt so die geringsten Wartungskosten.

An der Entwicklung von LED-Lichtquellen für Normlicht arbeiten die meisten Hersteller, erste Modelle auf dem Markt zeigen, dass die Technik noch extrem teuer ist. Hinzu kommt, dass am Ende der Lebensdauer der LEDs nicht einfach die Leuchtmittel gewechselt werden können, sondern die Lichtkabine eingeschickt und aufwendig umgebaut werden muss, um wieder Licht mit dem nötigen Spektrum zu erhalten.

 

Quelle: http://www.farbspektrum.info/die-normlichtarten-d50-d65-und-d75-im-vergleich/

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