Probleme beim Proof von CMYK plus HKS 37 K

11. Januar 2015 | Von | Kategorie: Abschlußprüfung 2013, Colormanagement

Deutschlandweit absolvieren die Auszubildenden zum Mediengestalter/in Digital und Print ihre Abschlussprüfungen im Bereich Print. Die Aufgabenstellung sieht in diesem Jahr eine Bildretusche eines CMYK Bildes vor, bei dem die Farbe der Bluse von weiss auf HKS 37 K verändert werden soll. An sich eine gute Aufgabenstellung, die die zukünftigen Mediengestalterinnen und Mediengestalter vor eine lösbare und gute Aufgabe stellt.

Seit 2010 müssen die Abschlussprüfungen zusammen mit dem Fogra Medienkeil 2.0 entweder als farbverbindlicher Proof eingereicht werden, oder der Prüfling soll sich laut ZFA Medien (Zentral-Fachausschuss Druck und Medien) “vor der Ausgabe seiner Prüfungsarbeit von der korrekten gerätespezifischen Kalibrierung des Ausgabegerätes überzeugen”, was kaum ein Prüfling realistisch leisten kann. Und so landen jedes Jahr die Abschlussarbeiten der Auszubildenden Mediengestalter bei Reprostudios und Proof-Dienstleistern und werden dort professionell geprooft.

Der Wortlaut der ZFA Anforderungen an die Proofs für Abschlussprüfungen finden Sie hier.

In diesem Jahr jedoch sind bei der Abschlussprüfung der Mediengestalter erstmals nicht Daten in CMYK, sondern als fünffarbige Daten in CMYK plus HKS 37 K gefordert. Dabei besonders kritisch: HKS 37 K soll als Stofffarbe in ein CMYK Bild integriert werden und eine weisse Bluse in HKS 37 umfärben.

Das Problem: Sonderfarben können nicht oder nur eingeschränkt geprooft werden. Warum?

  • Ältere Proofsysteme können nur CMYK, nicht aber Sonderfarben wie HKS oder Pantone proofen. Solche Proofsysteme simulieren teilweise zwar die Sonderfarbe dann in CMYK, das Ergebnis ist aber ein reines Zufallsprodukt die überwiegend noch im CMYK Farbraum simuliert wird, keinesfalls aber eine verlässliche oder gar farbverbindliche Schmuckfarbe.
  • Neue Proofsysteme wie EFI Colorproof XF oder GMG Colorproof können zwar Sonderfarben verarbeiten und auch 5-farbige Dateien darstellen.
    Aber: Die Hersteller haben stets nur den 100% Farbwert der Sonderfarbe hinterlegt. Ein Logo in einer HKS 37 K Vollfläche ist also relativ gut darstellbar. Ein hochauflösendes Pixelbild aus 5 Farben, bei denen weiche Verläufe in CMYK in Sonderfarbflächen und Sonderfarbverläufe übergehen wird allerdings immer von RIP, dem RasterImageProzessor des Proofsystemes “simuliert”. Dabei kommt es selbst auf modernsten Proofsystemen zu dramatischen Proof Fehlern.

Ein Beispiel eines Proofs für die Abschlussprüfung Mediengestalter 2013:

Links: Screenshot der 5-farbigen Daten aus Adobe Acrobat 9.
Rechts: Foto des Proofs mit EFI Colorproof XF 4.5.7 und Epson 7900 mit Spectroproofer.

Sofort fällt eines ins Auge: Die feinen Stoffstrukturen und Farbüberlagerungen der Originaldatei werden im Proof zu einer einzigen planen Farbfläche, der vermeintlich “farbverbindliche Proof” eines modernen Proofsystemes stimmt mit den Daten überhaupt nicht überein. 

Die Pipette zeigt den Farbwert an der Stelle des Fadenkreuzes: 100% HKS 37 K und 30% Schwarz. Eine solche Fläche muss zweifelsfrei wie in der Bildschirmansicht deutlich dunkler wirken als eine reine HKS 37 K Farbfläche. Im Proof oben ist aber kein Unterschied zu sehen, das überdruckende Schwarz verschwindet im Proof vollständig. Der Proof ist keinesfalls farbverbindlich. Wenn also modernste Proofsysteme schon derart versagen, dann mag man sich die Ergebnisse auf älteren Proofsystemen gar nicht erst vorzustellen.

EFI klingt in den Marketingunterlagen seiner Proofsysteme so: “Accurate color management by measurements, with advanced spot- and process-color optimization, enables you to easily achieve precise, predictable and repeatable contract proofs.”

“Repeatable” mag der Proof ja sein, “precise” und “predictable” aber keinesfalls.

Das Problem in der Abschlussprüfung: Die Prüfungskommission bewertet die Aufgaben der Prüflinge meist anhand der Proofs und nicht anhand der Daten. Denn seit Einführung der Proofpflicht im Jahr 2010 konnten ja auch alle bisherigen Abschlussprüfungen farbverbindlich geprooft werden und waren damit auch “verbindlich”. Doch das ist 2013 nicht mehr der Fall.

Im oben gezeigten Fall hat der Prüfling nach bestem Wissen gearbeitet und seine Prüfung auf einem modernsten Proofsystemen geprooft. Betrachten die Prüfer bei der Benotung seiner Abschlussprüfung jedoch nur den Proof, können sie die Qualität der Retusche weder sehen noch beurteilen. Und das wohlgemerkt nicht, weil sich an irgendeiner Stelle ein Fehler eingeschlichen hätte. Sondern ganz einfach, weil Sonderfarben wie HKS und Pantone nicht geprooft werden können.

Einen weiteren Artikel mit weiterführenden Erklärungen zu diesem Thema finden Sie hier.
Thema: “Kann man Sonderfarben proofen?”

Bei der Aufgabenerstellung wurde dieser wichtige technische Aspekt der Proofbarkeit von Sonderfarben unserer Meinung nach nicht berücksichtigt, sonst hätte die Aufgabe sicher anders gestellt werden müssen.

Wir appellieren daher an alle Prüfungskomissionen für Mediengestalter, zur Beurteilung der Qualität der Abschlussprüfung 2013 nicht nur den Proof, sondern ausschließlich die Daten heranzuziehen. Einer Einspruch- und Klagewelle gegen die Benotungen der Prüfungskomissionen ist sonst zurecht Tür und Tor geöffnet. Und das ist weder im Interesse der Aufgabenersteller bei der ZFA, noch der Prüfungskomissionen und der Prüflinge.

… NACHTRAG … NACHTRAG … NACHTRAG … NACHTRAG …

Um die Problematik zu verdeutlichen, haben wir noch einmal zwei Beispiele für den Proof beigefügt. Speziell für den Proof der Abschlussprüfungen haben wir uns in Abstimmung mit Experten unseres Systemhauses und von EFI fünf verschiedene Wege erarbeitet, wie wir die Daten der Prüflinge möglichst gut proofen können. Die Schwierigkeit: Was für Prüfling 1 die beste Lösung ist, ist für Prüfling 2 die schlechteste Lösung. Wir müssen daher die Abschlussarbeiten nahezu immer mit unterschiedlichen Verfahren proofen, um dann visuell und nach Analyse der Daten des Prüflings den optimalen Proofweg für die Daten des Prüflings zu wählen.

Erstes Beispiel: Aufbau mit HKS 37 K und Zeichnung ausschließlich im Schwarzkanal

 

Links: Screenshot aus Acrobat.
Mitte: Proof in EFI Colorproof XF 4.5.7 mit Standardeinstellung auf Epson 9900 mit Spectroproofer
Rechts: Proof in EFI Colorproof XF 4.5.7 mit veränderter Überdruckeneinstellung für Sonderfarben auf Epson 9900 mit Spectroproofer

  

 

 

 

 

 

In der EFI Standardeinstellung in der Mitte verschwindet alle Zeichnung aus der Bluse, die nahezu flächig in HKS 37 K dargestellt wird. Der Proof mit der modifizierten Überdruckeneinstellung ganz rechts kommt dem Original sehr nahe und wäre in diesem Fall die beste Lösung.

Zweites Beispiel: Aufbau mit HKS 37 K und Zeichnung stark in CMYK

 

Links: Screenshot aus Acrobat.
Mitte: Proof in EFI Colorproof XF 4.5.7 mit Standardeinstellung auf Epson 9900 mit Spectroproofer
Rechts: Proof in EFI Colorproof XF 4.5.7 mit veränderter Überdruckeneinstellung für Sonderfarben auf Epson 9900 mit Spectroproofer

  

In der EFI Standardeinstellung in der Mitte wird die Zeichnung in der Bluse realistisch mit einem Hang ins Cyan dargestellt, was sich in den Werten der Datei wiederfindet. Der Proof mit der modifizierten Überdruckeneinstellung rechts wirkt aber zu viel dunkel, die Zeichnung verschwindet fast im dunklen Blau des Stoffes.

Prüfling 1 hätte also beim Druck mit den modifizierten Einstellungen Glück, Prüfling zwei beim Proof mit den originalen Überdruckeneinstellungen. Für beide gilt: Der vermeintlich “farbverbindliche Proof” ist nicht verbindlich, sondern ein Ergebnis aus der Einstellungen in der Proofsoftware zusammen mit der PDF Print Engine oder einem Postscript Level3 Interpreter.

Bitte beachten Sie: Die Screenshots und Fotos auf dieser Seite sind nicht farbverbindlich, sondern sollen lediglich die Schwierigkeiten beim Proof der Zeichnung der Bluse verdeutlichen.

 

Quelle: http://www.proof.de/

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