Rekorde-Jagd mit Bits und Bytes

31. Mai 2013 | Von | Kategorie: Computer, Hardware, Historische Techniken

ENIAC – eines der ersten Computersysteme (Foto von: Bettmann / Corbis)
© Bettmann / Corbis

Riesige Ungetüme mit Lochkarte betrieben und bereit, die Welt zu erobern. Vielen Menschen waren die Computer, die erstmals in den 40er Jahren des 20. Jahrhun-derts die Weltbühne betraten, nicht geheuer. Aber von wegen Welt erobern: Trotz ihrer wuchtigen Größe konnten die ersten „Rechengehirne“ oft nicht mehr als simple Grundrechenarten ausführen. Nein, mit den kleinen schlanken Geräten, die wir heute lässig unter den Arm klemmen oder in die Hosentasche stecken, haben die Compu-ter unserer Großeltern nur wenig zu tun. Wie rasant sich die Computerwelt entwickelt hat, wollen wir euch an einigen Beispielen zeigen.

 

Vom Goliath zum David

Heute kann man seinen Computer bequem unter den Arm klemmen und mitnehmen. Für die ersten Computer hätte man dafür ein ganzes Heer von Möbelpackern gebraucht. So bestand der ENIAC, eines der ersten Computersysteme (1946) aus 40 Bauteilen, von denen jedes 60 Zentimeter breit, 270 Zentimeter hoch und 70 Zentimeter tief war. Die komplette Anlage wurde in einer U-Form aufgebaut, beanspruchte eine Fläche von 10×17 Meter und wog 27 Tonnen. Viel mehr als ein Taschenrechner konnte der ENIAC trotzdem noch nicht: Addieren, subtrahieren, multiplizieren, dividieren und Quadratwurzeln ziehen. Übrigens: Einer der momentan kleinsten Computer der Welt ist der „Space Cube“ mit Maßen von gerade mal 52 x 52 x 45 Millimetern! (Der fit-PC Slim 101 x 115 x 27 Millimeter)

 

Bis der Speicher platz(t)

53 Jahre ist es her, dass die erste Festplatte, die IBM 350, in einen Computer eingebaut wurde. Solche Festplatten, auf denen das Betriebssystem, Programme, aber auch Spiele und Fotos, Texte und Musik gespeichert werden, gibt es noch immer. Im Gegensatz zu den heutigen Modellen war der Speicherplatz allerdings beschränkt: Ganze fünf Megabyte konnte der Koloss sichern. Was sich damals unvorstellbar groß anhörte (zwei DIN-A4-Seiten Schreibmaschinentext sind in etwa 1 Kilobyte an Daten), ist gerade mal der Platz, den ein einziges Lied auf eurem MP3-Player benötigt. Heutige Festplatten sind dagegen nur handflächengroß und können bereits zwei Terabyte an Daten speichern, mehr als eine halbe Million Mal soviel wie die IBM 350. (Das sind zirka vier Millionen DIN-A4-Seiten)

 

„640 Kilobyte Arbeitsspeicher sollten genug sein.“

Wie schnell ein Computer rechnet, dafür sorgt unter anderem der Arbeitsspeicher. Dass sich auch die ganz Großen schnell verschätzen, wenn es um die rasante Entwicklung von Computern geht, zeigt ein Zitat von Bill Gates, dem Gründer von Microsoft. 1981 behauptete er vollmundig: „640 Kilobyte (RAM) sollten eigentlich genug für jeden sein.“ Heute besitzt ein durchschnittlicher Computer schon 4 Gigabyte an RAM. Das ist 6554 mal so viel wie damals von Bill Gates prophezeit. Und es geht immer weiter..

 

„QWERTYUIOP“ – die erste E-Mail

Entwickler Ray Tomlinson (Computerunternehmen Bolt, Beranek and Newman in Cambridge, Massachusetts, USA) verschickte im Jahr 1971 die erste E-Mail. Mit diesem Experiment wollte er testen, ob er zwei Computer dazu bringen konnte, eine Nachricht auszutauschen. Viel zu sagen hatte Tomlinson allerdings nicht: Die erste Nachricht lautete schlicht und einfach: „QWERTYUIOP“, was der obersten Buchstabenreihe der englischsprachigen Tastatur entspricht.

 

Prototyp der ersten Computermaus 1968 (Foto von: Apic/Kontributor / Hulton Archive / Getty Images )
© Apic/Kontributor / Hulton Archive / Getty Imag

Bei dem piept’s wohl

Ein wuchtiger Holzklotz mit einer kleinen roten Taste und einem Verbindungskabel für den Computer – wer braucht denn so was? Das werden sich wohl die meisten Zuschauer gedacht haben, als Douglas C. Engelbart, Wissenschaftler am Stanford-Forschungszentrum 1968 seinen „X-Y-Positions-Anzeiger für ein Bildschirmsystem“ vorstellte: die erste Computermaus. Tatsächlich war Engelbart seiner Zeit weit voraus. Eine Tastatur reichte auf den damaligen Computern, die keine grafische Benutzeroberfläche besaßen, völlig aus. Erst Mitte der achtziger Jahre änderte sich dies. Seitdem ist die Maus nicht mehr aus den Händen der Computeruser wegzudenken. Wie wichtig, das könnt ihr selbst ausprobieren. Versucht doch einmal, euren Computer einen Tag lang nur mit der Tastatur zu bedienen.

 

Das erste Computerspiel

Wer drei X oder O in einer Reihe hat, gewinnt. Die TicTacToe-Schlachten in der Schule wurden schon schon zum Retter so manch langweiliger Stunde in der Grundschule. Aber TicTacToe, oder besser gesagt OXO, war auch das erste grafische Spiel, das jemals für einen Computer programmiert wurde. Mit den realitätsnahen 3D-Grafiken heutiger Computerspiele kann sich OXO natürlich nicht messen. Man spielte gegen den Computer und platzierte seine X oder Os, indem man eine Telefonwählscheibe bediente. Ein durchschlagender Erfolg war OXO allerdings nicht vergönnt. Schließlich gab es 1952 nur ein einziges Exemplar des Spiels – und das lief hinter den verschlossenen Türen der englischen Cambridge University auf dem EDSAC, einem der ersten Computer überhaupt. So konnten nur einige Professoren und Studenten ihrer Spielleidenschaft frönen. Und heimlich unter der Schulbank spielen hätte erst recht nicht funktioniert: Um EDSAC unterzubringen, hätte man den ganzen Klassenraum leer räumen müssen.

Quelle:  Rekorde-Jagd mit Bits und Bytes – Technik – GEOlino.de.

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