Rendering Intents (Fogra)

15. März 2015 | Von | Kategorie: Abschlußprüfung 2015, Colormanagement, Farbkonvertierung

Bei der Reproduktion von Farbe zwischen verschiedenen Geräten unterscheiden sich Eingabefarbraum und Ausgabefarbraum oft erheblich bezüglich Größe und Form. Die Farbdaten des Originals müssen demzufolge so abgewandelt werden, dass sie den Gegebenheiten der Ausgabe entsprechen. Hierzu zählen beispielsweise eine Helligkeitsanpassung sowie Buntton- und Buntheitskorrekturen. Das mit „Gamut-Mapping“ oder Farbumfangsanpassung beschriebene Verfahren steht jedoch stets vor dem Kompromiss zwischen Zeichnungserhaltung und geringstmöglicher Farbveränderung, was in [18] detailliert beschrieben wird. Die Art und Weise der Farbanpassung ist jedoch nicht eindeutig festgelegt. Einerseits kann die farbgenaue Abbildung der ursprünglichen Szene bzw. des Druckprozesses gewünscht sein, zum anderen eine anmutende Erscheinung des gesamten Bildes. Aus diesem Grund stellt das ICC-Konsortium vier verschiedene Abbildungsvorschriften bzw. Farbraumanpassungsmethoden, engl. Rendering Intent [im Folgenden mit RI bezeichnet], für die Transformation vom Gerätefarbraum in den PCS und vice versa zur Verfügung.

 

Wahrnehmungsorientierter oder fotografischer RI

Für diesen Rendering Intent werden in der Literatur bzw. in den Applikationen die Begriffe fotografisch oder perzeptiv [als Entsprechung von „perceptual“] verwendet. Laut ICC-Spezifikation beinhaltet dieser RI Kompromisse beim Kontrast zugunsten von Details über den gesamten Tonwertbereich, er ist in der BtoA0- bzw. AtoB0-Tabelle hinterlegt. Das konkrete Gamut Mapping ist herstellerspezifisch und wird nicht weitergehend beschrieben. Diese Art der Farbraumtransformation wird in erster Linie für Bildmaterial mit einer gro- ßen Anzahl von Farben verwendet, die im Zielfarbraum nicht darstellbar sind, um eine ausgewogene Erscheinung zu erhalten. Dabei erfolgt die Kompression unter Beibehaltung der Graubalance [19]. Das Verhältnis der Farben zueinander bleibt somit erhalten und führt dadurch zu guten Ergebnissen. Würde bei einer hohen Anzahl von nicht darstellbaren Farben keine Kompression vorgenommen, käme es zu höheren Verlusten speziell in den Bildtiefen und in den gesättigten Bereichen.

Relativ farbmetrischer RI [engl.: Media relative colorimetric]

Die farbmetrischen oder kolorimetrischen Rendering Intents werden genutzt, um eine möglichst genaue Wiedergabe der darstellbaren Farben des Originals zu erreichen. Alle nicht darstellbaren Farben werden auf den Rand des darstellbaren Farbraums abgebildet [Gamut Clipping]. Aufgrund der Behandlung der nicht darstellbaren Farben empfiehlt sich dieser RI speziell für die Reproduktion von Grafiken und Logofarben. In vielen Fällen ist er jedoch auch für Bilder die bessere Wahl als der wahrnehmungsorientierte RI, wenn eine höhere Anzahl der Farben des Originals erhalten bleiben soll. Sind die meisten Farben eines Bildes im Zielfarbraum darstellbar, so würde mit der wahrnehmungsorientierten Anpassung durch die Kompression nur eine unnötige Entsättigung der Farben stattfinden. Problematisch ist an dieser Stelle jedoch, dass mit dem relativ farbmetrischen Rendering Intent nur eine Anpassung des Weißpunkts erfolgt, nicht jedoch des Schwarzpunkts. Dieses Problem behebt die so genannte Tiefenkompensation von Adobe [27], welche mittlerweile frei publiziert wurde und von verschiedenen Herstellern angeboten wird. Tiefenkompensierung [TK], auch Black Point Compensation [BPC] genannt, ist kein eigener Rendering Intent und wird vom ICC noch nicht spezifiziert. Es handelt sich hier um eine besondere Form der Farbraumtransformation, bei der allerdings nur eine Anpassung bezüglich des Helligkeitsumfangs vorgenommen wird. Sie wird im Zusammenspiel mit dem relativ farbmetrischen RI verwendet, um hier eine Anpassung der Schwarzpunkte vorzunehmen. Liegt beispielsweise der Schwarzpunkt des Quellfarbraums bei L*=16, der Zielfarbraum könnte jedoch einen Schwarzpunkt von L*=8 darstellen, so würde bei einer Farbraumtransformation mit dem relativ farbmetrischen Rendering Intent trotz allem nur ein Schwarz mit L*=16 wiedergegeben. Tiefenkompensierung bildet in diesem Fall den Schwarzpunkt der Quelle auf das Ziel L*=8 ab. Somit wird der kleinere Dynamikumfang der Quelle auf den größeren Dynamikumfang des Ziels skaliert. Soll ein größerer Dynamikumfang auf einen kleineren abgebildet werden, beispielsweise wenn das Schwarz der Quelle bei L*=8 und das Schwarz des Ziels bei L*=16 liegt, würde mit dem relativ farbmetrischen Rendering Intent die Zeichnung in den Tiefen zwischen L*=8 und L*=16 abgeschnitten. Bei aktivierter Tiefenkompensierung erfolgt somit eine Kompression der nicht darstellbaren Farben in den Zielkörper unter Beibehaltung der Details in den Tiefen. Dr. Bestmann [20] bezeichnet diese Transformation als ein besonderes Perceptual Rendering mit linearer Abbildung [und Clipping].

Absolut farbmetrischer RI [engl.: absolute colorimetric]

Alle innerhalb des Farbumfangs der Druckbedingung darstellbaren Farben werden identisch abgebildet, für alle nicht darstellbaren Farben wird die nächstliegenden Farbe des Farbumfangs genommen [also der Rand]. Bei der Ausgabe im Prüfdruck wird, im Gegensatz zum relativ farbmetrischen RI, das Papierweiß der Vorlage simuliert [Abb.]. Der absolut farbmetrische RI kommt bei der Erstellung von Digital- und Softproof mit Simulation des späteren Papierfarbtons zum Einsatz. Hierbei verwendet die CMM die Daten aus der farbmetrischen Tabelle [AtoB1 bzw. BtoA1] und verrechnet sie mit dem Medienweißpunkt.

Sättigungserhaltender RI [engl.: saturation]

Es wird zwar komprimiert, dabei wird aber versucht, alle Farben mit höchstmöglicher Sättigung zu erhalten. Die sättigungserhaltende Methode ist für die Druckindustrie nicht von Interesse, da bei diesem Verfahren sowohl der Farbton als auch die Helligkeit stark verändert werden. Dieser RI macht beispielsweise Sinn bei Geschäftsgrafiken. Abhängig vom späteren Einsatz im Workflow sind verschiedene Tabellen in das ICC-Profil zu schreiben. Ein ICCProfil zur Ansteuerung eines Prüfdruckers benötigt demzufolge keine Separationstabelle [BtoA0], sondern nur eine hochqualitative Prooftabelle [BtoA1], während ein Druckerprofil sowohl eine Proof- als auch eine Separationstabelle benötigt, beispielsweise für den Hardund den Softproof. Formal müssen alle Tabellen vorhanden sein, unwichtige können jedoch mit geringer Auflösung hinterlegt werden. Auch hier muss betont werden, dass jede zusätzliche Tabelle und jeder zusätzliche Stützpunkt in der LUT zu einem erhöhten Datenvolumen beiträgt. Das führt z. B. bei Anzeigekunden, insbesondere im Zeitungsmarkt, zu unakzeptablen Dateigrößen.

Die jeweilige Anwendung der RIs hängt stark vom beabsichtigten Workflow ab.

 

Quelle: Fogra

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