Reprokameras (historisch)

13. März 2015 | Von | Kategorie: Farbseparation, Historische Techniken, ohne Kategorie

Reprokameras – die Dinos der Reproduktionstechnik. Reprokameras waren bis zu 14 Metern lang und wurden aus solidem Eisenrahmen hergestellt.

 

Der Tunnelweg zwischen Objektiv und Filmhalter, die sogenannte Balge war aus Leder gefertigt. Durch ihren Ziehharmonikaauszug erinnert diese Kamera an Riesenexemplare damaliger kleiner Kameras für den Privatgebrauch.

Alle Reprokameras hatten einen Vorlagenhalter, auf den die Vorlage (Reinzeichnung, Photo o.ä.) montiert wurde. Auf der anderen Seite war die Kameraoptik mit Balge und Filmhalter an der äußersten Rückwand. Der Vergrößerungsmaßstab wurde durch Veränderung der Entfernung zwischen Vorlage und Objektiv und Objetiv zu Filmhalter erreicht.

Übrigens: Film trifft es nicht ganz: Die „Filme“ damals waren lichtempfindlich beschichtete Glasplatten. Das hatte eigentlich nur einen einzigen Vorteil: Die Glasscheiben konnten immer wieder neu verwendet werden, weil die Photographen die Schicht ablösen und eine neue auftragen konnten. Ansonsten waren sie unhandlich und schwer. Außerdem gingen sie sehr leicht zu Bruch.

Ausgeleuchtet wurde die Vorlage mittels seitlich montierter Kohlebogenlampen, die ein für die damalige Zeit sehr helles und sehr weißes Licht abgaben (siehe auch Kopie).

Was auffällt: Es gab keine Dunkelkammern. Daran sieht man, wie schwach die lichtempfindliche Schicht der Glasplatten gewesen war. Mußten die Platten doch im beschichteten Zustand zur Kamera transportiert und dort befe- stigt werden können, ohne, daß die Schicht reagierte.

Erst weit nach dem Kriege wurden die Glasscheiben durch Filmmaterial ersetzt. Das erleichterte die Arbeit der Reprophotographen ungemein. Auch hat es die Lagerhaltung der Archive revolutioniert.

Man stelle sich nur den Raumbedarf von 500 Glasscheiben vor und vergleiche ihn mit dem selben Platz, den man für 500 Filme benötigt. Abgesehen vom Gewicht betrug die Dicke einer Glas- platte 6 – 8 mm, die eines Blatt Films jedoch nur 0,10 mm!

 

In diesem Bild sind zwei unterschiedliche Reprokameras zu erkennen: Im Vordergrund die sogenannte Horizontalkamera und hinten eine Vertikalkamera.

Bei der Horizontalkamera befanden sich Vorlage, Objektiv und Film auf einer waagerechten Ebene.

Die Vertikalkamera dagegen mußte die Vorlagen im rechten Winkel zum Film aufnehmen. Das erreichte man durch Umlenk-Spiegel.

Bei der Vertikalkamera ist sehr gut die geöffnete Rückwand zu sehen: Links die Mattscheibe, die dem Photographen zum genauen Einstellen von Format und Ausschnitt diente. Auf ihr bildete sich die Vorlage nämlich so ab, wie sie später belichtet würde.

Die runde dunkle Scheibe in der Kamera selbst ist ein Glasgravur-Raster. Ein höchst präzises feinmechanisches Instrument, mit dem man z.B. Photographien in Rasterpunkte zerlegen konnte.

Die Wirkung war der eines Fliegengitters ähnlich, durch welches ein Lichtstrahl fällt und das Licht z.B. auf der gegenüberliegenden Wand in ebenso viele einzelne Elemente zerlegte, wie das Gitter Linien hatte.

Beim Gravurraster wurden feinste Linien kreuzweise in die Glasscheibe graviert (bis zu 80 Linien je cm bei immerhin einem Durchmesser von ca 40 cm!). Da wird klar, das so ein Raster sehr, sehr teuer war. Damals (vor mehr als fünfzig Jahren) schon etliche Tausend Mark.

Auffallend ist auch die große Uhr vorne an der Horizontalkamera: Sie diente zur Ermittlung der Belichtungszeit. Immer hin brauchten die Photographen damals Belichtungs-Zeiten von 30 bis 45 Minuten für eine einzige Aufnahme! Je nach Schwierigkeit und Helligkeit der Vorlage.

Kein Vergelich mit den tausendstel Sekunden moderner Kameras! So brauchte man damals oft und gern für eine Reproduktion an der Kamera eine Gesamtzeit von weit über einer Stunde: Aufbauen der Vorlage, Ausleuchten, Belichtungszeit errechnen, Transport der Film-Glasscheibe, einstellen, belichten und anschließend ent-wickeln der belichteten Platte.

Das hieß, daß ein Reprophotograph damals nie mehr als 8 Aufnahmen täglich machen konnte. Wieviele Scanns schafft man heute?!

 

Quelle: http://www.roela.com/nostalgy/solorepro1.htm

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