Richtiges Licht für den guten Druck

9. April 2013 | Von | Kategorie: Abschlußprüfung 2013, Farbe messen

Artikel aus dem Jahr 2007:

Richtiges Licht für den guten Druck

Zur Beurteilung von Druckerzeugnissen wird heute mit einer Farbtemperatur von 5000 Kelvin gearbeitet. Darüber hinaus gibt es vier Regeln, die es einzuhalten gilt, damit auch wirklich unter standardisierten Lichtverhältnissen beurteilt wird.

ULRICH KOLNIK Warum wurde ISO 3664 geändert und warum gilt heute eine Farbtemperatur von 5000 Kelvin auch im Drucksaal? Bis gestern stimmte jeder Drucker seine Druckbögen unter 6500 Kelvin ab. Und jetzt soll das alles nicht mehr wahr sein?

Heute sind die Voraussetzungen anders, die ISO-Norm 3664, die sich mit der Farbthematik im Vorstufenbereich, also mit der Abstimmung zwischen Andruck und Dia, befasste, hat sich den neuen Tatsachen gestellt:

a) Das Dia ist nicht mehr da, oder es spielt zumindest nicht mehr die entscheidende Rolle.

b) Für den Drucksaal gab es bisher lediglich eine Empfehlung für den Vergleich Andruck–Fortdruck mit 6500 Kelvin, in Anlehnung an die Vorgaben der allgemeinen Farbabmusterung (DIN 5033). Sicher die richtige Entscheidung für den konventionellen Andruck, den es aber ebenfalls nicht mehr allzuoft gibt. Heute basieren Proofdrucke auf unterschiedlichen Druckverfahren mit unterschiedlichen Druckfarben und Farbpigmenten, und wir kennen das Phänomen der Meta­merie. Metamere Farben, die sich unter einer Lichtart gleichen, lassen bei geänderten Lichtverhältnissen plötzlich deutliche Unterschiede erkennen. Inkjetfarben verhalten sich zu Druckfarben in hohem Masse metamer.

Standardisierte Lichtverhältnisse

Dieses Problem lässt sich nur mithilfe eines visuellen Farbvergleichs mit 5000 Kelvin vermeiden. Das ist die einzige Möglichkeit, die Diskrepanzen zwischen Proof und Fortdruck zu lösen und nicht mehr nachvollziehbare Fehlerquellen im Produktionsprozess auszugleichen. Viele namhafte Verlage und Druckereien wie z.B. Burda, G + J, Maul-Belser erkennen diese Tatsache wieder und setzen auf standardisierte Lichtverhältnisse zur Farbbeurteilung.

Nur mithilfe von Standardisierungen können heute farbverbindliche Druckdaten und Druckerzeugnisse erstellt werden. Dabei geht es nicht nur um exakte Abstimmung unterschiedlicher Ein- und Ausgabegeräte, sondern es geht um die visuelle Farbbeurteilung in jedem Produktionsabschnitt. Das menschliche Auge, für das letztlich jedes Druckerzeugnis bestimmt ist, ist auch bei der jeweiligen Farbkontrolle das Mass aller Dinge, sofern diese unter standardisierten Lichtverhältnissen stattfindet.

ISO 3664 hat sich rechtzeitig den geänderten Technologien im Druck- und Vorstufenbereich angepasst. Mit der Neufassung 3664:2000 wurde die visuelle Farbabmusterung in der grafischen Industrie für die Vorstufe und jetzt erstmals für den nicht mehr getrennt zu sehenden Druckbereich standardisiert.

1. Die Lichtqualität

a) Der Zielfarbort wird durch die CIE-Koordinaten x = 0,3478 und y = 0,3595 definiert (Toleranz 0,005°).

b) Die Lichtart D50 mit 5000 Kelvin gilt für den gesamten Herstellungsprozess von der Druckvorstufe bis zur Druckmaschine.

c) Der Farbwiedergabewert Ra > 90. Je höher der Wert, desto besser die Farbwiedergabe.

Die hohen Anforderungen des ISO-Standards an die Lichtqualität können mit handelsüblichen Leuchtstoffröhren nicht erfüllt werden. Dazu braucht es Spezialleuchtstoffröhren, welche Daylight 5000 erreichen und alle Kriterien durch einen exakten Farbort, eine ausgewogene Verteilung der Spektrallinien, die der Normlichtart D50, und einen hohen Farbwiedergabewert erfüllen. Für die Bestimmung des Farbwiedergabewerts gibt die Norm 8 Farben vor.

2. Die Umgebung

Das Umgebungslicht beeinflusst die Farbbeurteilung. Laut ISO 3664

a) soll die allgemeine Raumbeleuchtung so weit abgeblendet sein, dass sie die Betrachtungsfläche weder direkt noch indirekt beeinflusst;

b) sollen Wände, Decken, Böden, andere Flächen und Bekleidung optimalerweise in neutralem Grau mit einem Reflexionsgrad von < 60% gehalten sein.

 

3. Helligkeit und Gleich­mässigkeit der Ausleuchtung

Visuelle Abstimmvorgänge müssen bei einer deutlich höheren Beleuchtungsstärke von 2000 Lux und einer Gleichmässigkeit von ± 250 Lux erfolgen, um auch kleine Farbunterschiede sichtbar zu machen. Unterschiedliche Helligkeit führt zu einem abweichenden Farbeindruck. Bei Proof und Druck sollte bei einer Betrachtungsfläche bis zu 1 m2 die Beleuchtungsstärke an keiner Stelle geringer als 75% der im Zentrum gemessenen Leuchtstärke sein.

2000 Lux sind eine grosse Herausforderung an die Gerätehersteller und bleiben für die herkömmliche Lichttechnik unerreichbar. Vor dieser gravierenden Änderung der ISO-Norm 3664 gab es hier nur Empfehlungen (Arbeitstättenverordnung DIN 5035) mit grossen Toleranzbereichen, die leicht erzielbar, aber heute ungenügend sind.

 

4. Vermeidung von Reflexionen und Spiegelungen

Blendungen und Spiegelungen auf der Betrachtungsfläche beeinträchtigen kritische Farbbeurteilungen oder können zu Fehlinterpretationen führen.

Die Lichtquellen sollten so positioniert werden, dass möglichst wenig Refle­xionen und Glanzeffekte auftreten. Konkrete Werte werden durch die Norm an dieser Stelle nicht vorgegeben.

Lichttechnische Untersuchungen der Firma Just Normlicht in Weilheim/Teck haben ergeben, dass die neu gefassten, wichtigen Kriterien der ISO-Norm mit den bisher am Markt befindlichen Systemen nur bedingt erfüllbar sind.

Deshalb engagiert sich die Firma Just Normlicht unter Berücksichtigung eben genannter Erkenntnisse in der Forschung und der Umsetzung von Normlichtbetrachtern, aber auch der Neukonzipierung der verwendeten Leuchtmittel. Just Normlicht wird so zum erfolgreichen Produkt für die verbindliche Bildbeurteilung, im Drucksaal oder überall, wo Druckerzeugnisse beurteilt werden müssen.

 

Quelle: http://www.publisher.ch

und ein kleiner Film zur Farbtemperatur:

Keine Kommentare möglich.