Wachstumsmarkt Digitaldruck

9. März 2014 | Von | Kategorie: Digitaldruck, NEWS, Print

Wachstumsmarkt Digitaldruck: Was verbirgt sich hinter den digitalen Druckverfahren?

Online-Druckereien haben dank dem Digitaldruck neue Geschäftsfelder erschlossen

Fotodrucke in Auflage 1: Kein Problem für den Digitaldruck.

Ein Fotobuch erstellen, Visitenkarten drucken oder eigene Bücher drucken lassen? Wer hat sich nicht schon einmal mit individuellen Produkten wie Fotobuch und Co. beschäftigt. So genannte Online-Druckereien bieten inzwischen die unterschiedlichsten Möglichkeiten für Fotobuch und Co. an. Doch sind Online-Druckereien nicht gleich Online-Druckereien. Während die Einen hauptsächlich mit Sammelformen im Offsetdruck produzieren, setzen andere Online-Druckereien fast vollständig auf den Digitaldruck. Was sich aber genau hinter dem Begriff Digitaldruck versteckt, welche unterschiedlichen Druckverfahren Digitaldruck heute bietet und wo das größte Potenzial sowie die vielversprechendsten Märkte für den Digitaldruck liegen, soll dieser Basis-Artikel erklären.

Vor mehr als 20 Jahren standen die ersten digitalen Drucksysteme für den Einsatz in der grafischen Industrie zur Verfügung. Damals noch oft belächelt aufgrund der niedrigen Geschwindigkeiten und unzureichender Druckqualität, hat sich diese Technologie bis heute zu einem etablierten Druckverfahren entwickelt. Denn der Trend – in der sich durch Internet und mobile Geräte verändernden Medienbranche – hin zu kleineren, individualisierten und personalisierten Auflagen bis hin zur Auflage 1, kann durch den Digitaldruck perfekt abgebildet werden. Doch was genau ist und kann der Digitaldruck?

 

Digitaldruck: Definition

Der Begriff Digitaldruck fasst Druckverfahren zusammen, die das Druckbild ohne statische oder auch feste Druckform auf den Bedruckstoff aufbringen. Dazu zählt zum Beispiel der elektrofotografische Digitaldruck, bei dem die Farbstoffe per Fotohalbleiter und einem Zwischenträger (dynamische Druckform) auf das Papier übertragen werden. Hier unterscheidet man zwischen dem Einsatz von Flüssig- oder Trockentoner. Demgegenüber ist der Inkjetdruck in der Lage, die Farbstoffe mittels spezieller Düsen berührungslos, also im Non-Impact-Verfahren, auf verschiedene Bedruckstoffe (Substrate) aufzubringen. Den Inkjetdruck wiederum unterteilt man in das Drop-on-Demand-Verfahren (thermisch piezoelektrisch oder elektrostatisch) sowie den Continuous-Inkjetdruck. Bedingung für alle diese Digitaldruckverfahren ist, dass der Auftrag zur Druckausgabe in elektronischer Form vorliegt. Alle Informationen für den Druckauftrag werden als Datensatz an den Rechner des Drucksystems übertragen, von hier aus kann der Auftrag direkt gestartet werden.

 

Einsatzgebiete für den toner- und inkjetbasierten Digitaldruck

Die elektrofotografischen Digitaldruckverfahren nutzt man beispielsweise für den variablen Datendruck, Print on Demand, den statischen Kleinauflagendruck oder das verteilte Drucken. Der Inkjetdruck lässt sich zusätzlich in den Großformatdruck (Large Format Printing) und den Druck mit hohen Geschwindigkeiten unterteilen, den Highspeed-Inkjet. Mit Letzterem stellt man beispielsweise Transaktionsdrucke sowie Drucke in hybriden Anwendungen her, also der Kombination von konventionellen Druckverfahren mit Inkjetdüsen zur Personalisierung. Zusätzliche digitale Druckverfahren sind die Magnetografie, der Thermotransfer- und der Thermosublimationsdruck sowie die Ionografie. Dieser Beitrag konzentiert sich auf den Produktionsdigitaldruck und seine Weiterverarbeitung.

 

Digitaldruck von der Rolle oder auf dem Bogen

Digitale Produktionsdruckmaschinen im kleinformatigen Bereich klassifiziert man wie beim Offsetdruck in Rollen- und Bogensysteme. Unter den Bogensystemen sind solche mit elektrofotografischem Verfahren weit verbreitet. Diese Systeme produzieren derzeit meist im A3-Überformat. Seit der Drupa 2012 gibt es von einzelnen Herstellern wie HP, Fujifilm oder auch Screen aber digitale Bogendruckmaschinen im B2-Format. Die Druckgeschwindigkeiten der meisten A3+-Digitaldruckmaschinen sind mit 30 bis 90 Seiten pro Minute relativ niedrig. Elektrofotografische Bogensysteme werden vorwiegend zum Drucken von Klein- und Kleinstauflagen bis hin zur Auflage 1 im Akzidenzbereich eingesetzt. Somit lassen sich Auflagen in genau definierter Höhe herstellen (Print on Demand). Der Wechsel von Papierformaten oder -sorten ist sehr schnell durchführbar.

Im Rollenbereich kommen sowohl elektrofotografische als auch Inkjetdrucksysteme zur Anwendung. Die Letztgenannten bedrucken von 500 bis über 3.000 Seiten im Format A4 pro Minute. Inkjetsysteme sind im digitalen Rollendruck in den letzten Jahren verstärkt im Markt anzutreffen. Durch kontinuierliche Weiterentwicklungen entstehen hier interessante Alternativen zur Elektrofotografie. Es ist also absehbar, dass der Kampf um Marktanteile zwischen Elektrofotografie und Inkjetdruck eine immer größere Rolle spielen wird.

 

Wichtig bei der Investition in Digitaldruckmaschinen

Bei der Investionsentscheidung in ein Digitaldrucksystem steht die Druckerei vor verschiedenen Fragen. Welcher Markt soll bedient werden? Welche Qualitätsanforderungen sind zu erfüllen? Welche Geschwindigkeiten sind zu erreichen? Wie und wo soll die Weiterverarbeitung der Produkte erfolgen? Diese Fragen sind vor der Investion in ein Digitaldrucksystem zu beantworten. Erst dann kann die Entscheidung Bogen oder Rolle, Farbe oder Schwarzweiß fallen.

 

Inkjetdruck stark im Trend

Inkjetdrucksysteme haben im digitalen Rollendruck in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Im Hinblick auf die Produktivität von Digitaldrucksystemen zeigt sich in den vergangenen Jahren, dass gerade der Inkjetdruck eine massive Steigerung durchlebt hat. Ein Beleg dafür ist die Zahl der Inkjet-Düsen. Wurden im Jahr 1990 noch circa 500 Düsen pro Druckmaschine genutzt, gab es ab dem Jahr 2010 bereits Drucksysteme mit mehr als einer Million Düsen. Und diese Tendenz ist steigend. Inzwischen sind die Inkjet-Rollendrucksysteme sehr flexibel im Farbangebot und bieten eine deutlich verbesserte Qualität. Mitunter lassen sich die Systeme in der schwarzweißen Grundkonfiguration zu Farbsystemen für den Fünf- und Sechsfarbdruck aufrüsten. Denn die Hersteller von Inkjet-Produktionsdrucksystemen haben sich das Ziel gesetzt, die Qualität des Offsetdrucks nicht nur zu erreichen, sondern zu übertreffen. Gleiches gilt für Produktivität und Produktionskosten. Dabei ist technologiebedingt von Vorteil, dass – gegenüber dem Offset – die Plattenherstellung entfällt.

Die Marktsituation belegt, dass der Produktions-Inkjetdruck aktuell überwiegend durch Rollensysteme abgebildet wird. Lange Zeit hatte hier der schwarzweiße Transaktionsdruck seine Domäne. Heute realisiert man mit Inkjet-Farbsystemen auch Anwendungen im Transpromo-, Mailing, Zeitungs- und Zeitschriften-Druck sowie im Bereich Books-on-Demand. Somit kommt der Inkjetdruck umso mehr beim Auflagendruck zum Einsatz.

Insgesamt kristallisiert sich heraus, dass Inkjetdrucksysteme auf dem Vormarsch sind. Dabei geht der Trend hin zu Maschinen mit größerem Format, im Bogenbereich sogar bis zum Format 50 x 70 cm. Während der Ipex 2010 wurde beispielsweise die Jet Press 720, eine Vierfarben-Digitaldruckmaschine im B2-Format präsentiert, die laut Fujifilm bei maximaler Produktionsgeschwindigkeit bis zu 2.700 Bogen pro Stunde einseitig bedrucken kann.

 

Vor- und Nachteile des Inkjetdrucks

Ein Problem bleibt: Da Papiere für den Inkjetdruck spezielle Empfängerschichten benötigen, die die dünnflüssigen Tinten aufnehmen, ist die Materialauswahl hier noch nicht so vielfältig wie beim elektrofotografischen Verfahren. Ein großer Vorteil dieser Systeme ist: Sie können aufgrund der variablen Abschnittslänge (bei Rollensystemen) große Endformate erzielen. Weitere Punkte, die für den Inkjetdruck sprechen sind: die Steigerung der Geschwindigkeiten, die Anwendung neu entwickelter Tinten aus dem Nanopartikel-Bereich und die Möglichkeit, auch bei hohen Geschwindigkeiten gleichmäßige Tröpfchengrößen zu erzielen. Henning Ohlsson, Geschäftsführer Epson Deutschland meint, die Einführung von hoch entwickelten Tintenstrahlsystemen in immer neue Anwendungsbereiche sei eine Folge der Überlegenheit von Inkjet gegenüber anderen Technologien. Konkrete Beispiele einer Wachablösung seien bereits im Bereich des Etikettendrucks zu finden. Dies sei aber nur der Anfang, da die konsequente Weiterentwicklung der Inkjettechnologie und der dazugehörigen Tinten aufzeige, dass hier noch enormes Potenzial schlummere.

 

Offset plus Digitaldruck statt Offset versus Digitaldruck

Derzeit ist der Offsetdruck das weltweit dominierende Druckverfahren. Doch die Anwendungen von Digital- und Offsetdruck vermengen sich mehr und mehr. Bei der hybriden Druckproduktion werden die Vorteile der jeweiligen Drucktechnologie kombiniert. Der Offsetdruck tritt durch hohe Fortdruckproduktivität, geringe Fortdruckkosten, hohe Druckqualität sowie vielfältige Einsatzmöglichkeiten in punkto Grammaturen, Bedruckstoffe oder Produktarten hervor. Der Digitaldruck punktet beispielsweise durch geringe Rüstkosten, den Druck auf beliebige Abschnittslängen (beim Rollendruck), eine geringe Makulatur und die Möglichkeit des variablen Datendrucks.

 

Offsetdruck – Digitaldruck: Einschränkungen

Zu Bedenken sind bei der hybriden Produktion die Einschränkungen in Bezug auf die Bedruckstoffe und ihre Verarbeitung. Beispielsweise sind die Aushärtung des Toners oder auch die Farbhaftung auf dem Substrat besondere Herausforderungen an den Anwender des elektrofotografischen Drucks. Aus diesem Grund empfehlen und zertifizieren die Hersteller der Digitaldrucksysteme spezielle Papier- und Substratsorten für den Einsatz auf ihren Systemen. Doch gerade bei der Kombination von Offset- und Digitaldruck stellen beide Verfahren bezüglich Oberflächenbeschaffenheit verschiedene Bedingungen an die Substrate. Bis heute ist es so, dass sich im Digitaldruck weitaus weniger Papiere und Medien einsetzen lassen, als im Offset. Die Hersteller stehen nun vor der Aufgabe, die Vielfalt der Substrate für den Digitaldruck zu erweitern. Eine Lösung ist es, eine Art Vorbeschichtung einzusetzen, damit beispielsweise in Inkjetdruckmaschinen auch Offsetpapiere genutzt werden können – das so genannte Primern.

 

Qualität: Wer hat die Nase vorn? Offsetdruck oder Digitaldruck?

Der Digitaldruck ist auch im Bereich Verpackungsdruck auf dem Vormarsch.

In puncto Druckqualität ist der Offsetdruck heute oft noch das Non-plus-Ultra. Beispielweise ist es für den Offsetdruck kein Problem, Rasterflächen und Farbverläufe gleichmäßig darzustellen. Im Digitaldruck ist das bis dato nicht immer der Fall. Hier ist es mitunter nicht einfach, gleichmäßige Flächen oder Farbverläufe ohne sichtbare Fehler abzubilden. Auch das Problem von Passergenauigkeiten kann im digitalen Produktionsdruck immer wieder auftreten, besonders beim Schön- und Widerdruck mit kompakten Digitaldrucksystemen aus dem Einstiegspreissegment. Dies wiederum führt, nicht nur bei der hybriden Produktion, zu Problemen beim Schneiden und Falzen der Druckprodukte.

 

Neue Märkte für den Digitaldruck

Inwieweit der Digitaldruck in einem Unternehmen effektiv und wirtschaftlich eingesetzt werden kann hängt nicht nur von der Technik, sondern vordringlich vom Geschäftsmodell ab.

Eine verbreitete Anwendung des Digitaldrucks ist das Dialogmarketing. Hier werden personalisierte und individualisierte, so genannte Direct-Mailings, zur werblichen Kundenansprache genutzt. Durch Veredelungsverfahren oder das Aufspenden von Produkten lässt sich weiterer Mehrwert für den Kunden erzielen. Der Mehrwert für den Auftraggeber liegt in der erhöhten Aufmerksamkeit beim Kunden, den geringeren Streuverlusten und einer daraus resultierenden Responserate, die deutlich höher ist als bei unpersonalisierten Aussendungen. Direct-Mailings können im Digitaldruck oder im hybriden Druck entstehen. Die Weiterverarbeitung erfolgt oft im Inline-Verfahren.

 

Wachstumsmarkt Digitaldruck I: Fotobücher

Ein besonders spannender Markt hat sich in den letzten Jahren mit der Produktion von Fotobüchern entwickelt. Dafür sorgte der explosionsartige Boom der Digitalfotografie. Ein weiterer wichtiger Grund für den Vormarsch der Fotobücher ist die Möglichkeit, sie per Web-to-Print-Lösung Browser-basiert selbst zu gestalten. Zum Einsatz kommen hierbei oft die elektrofotografischen Digitaldrucksysteme mit Flüssigtoner. Gebunden werden die Fotobücher in verschiedenen Formaten als Hard- oder Softcover oder in Klammerheftung. Ebenso ist die Herstellung von Kalendern, Plakaten oder Postern möglich.

 

Wachstumsmarkt Digitaldruck II: digitaler Etikettendruck

Etiketten, im Digitaldruck produziert, stellen einen Wachstumsmarkt für digitale Druckverfahren dar.

Auch Etiketten werden im Digitaldruck hergestellt und lassen sich somit ohne größeren Mehraufwand personalisieren. Durch geringe Einrichtekosten sind kleine und mittlere Serien effizient produzierbar. Die kurzen Vor- und Durchlaufzeiten und die schnellere Abwicklung des Auftrages sind sowohl für den Kunden als auch für die Druckerei von Vorteil. Änderungen oder Korrekturen erfolgen mit geringem Zeit- und Kostenaufwand. Farbdrucksysteme für die digitale Etikettenproduktion arbeiten mit Geschwindigkeiten bis zu 60 m/min und verfügen mitunter über Inline-Priming-Einheiten zur Substratvorbehandlung. Einige Drucksysteme können die Papiere inline mit einem UV-Lack versehen oder auch laminieren. Ebenso ein Trend im Rollen-Etikettendruck: Digitaldruck und Finishing in nur einer Produktionslinie zu vereinen, beispielsweise durch Schneideinheiten oder Stanzen. Bei der Etikettenproduktion kommt Elektrofotografie ebenso wie Inkjetdruck zum Einsatz.

 

Wachstumsmarkt Digitaldruck III: Verpackungsdruck

Im Digitaldruck, mit seiner Domäne für kleine Auflagen sowie Personalisierungen und Individualisierungen, ist auch der Verpackungsdruck auf dem Vormarsch. Moderne Digitaldruckmaschinen eignen sich heute für gestrichene und ungestrichene Papiere bis hin zum Druck auf Chromolux-Karton. Somit wird die bedarfsgerechte Produktion von Klein- und Testserien oder Messedummies möglich. Im Zusammenhang mit Veredlungen und entsprechender Weiterverarbeitung sind digital erstellte Verpackungen mit konventionell gedruckten durchaus vergleichbar und eine Alternative für kleine und mittlere Auflagen.

 

Die Druckweiterverarbeitung von Digitaldrucken

Die Herausforderungen, die sich bei der Weiterverarbeitung von Digitaldrucken ergeben, werden oft unterschätzt. Denn diese Weiterverarbeitung verlangt auf jeden Fall besondere Technologien und Produktionsschritte. Die Systeme müssen sich für die Forderungen des Digitaldrucks nach kleinen Auflagen und kurzen Lieferzeiten eignen.

In erster Linie gilt es, den Zeitvorteil des Digitaldrucks nicht durch das Versenden gedruckter Bogen aus der Druckerei an eine externe Buchbinderei zu verlieren. Durch eine Verarbeitung im eigenen Betrieb wird Zeit gespart, lassen sich die Kosten gezielt reduzieren und lässt sich die Wertschöpfung voll nutzen. Deshalb gründen Druckereien Weiterverarbeitungsbereiche oder nehmen deren Erweiterung vor. Für Digitaldrucker bildet sich ein neues Marktsegment mit steigendem Industrialisierungsgrad. Rainer Rindfleisch, Geschäftsführer der Kern GmbH, Spezialist für Kuvertiersysteme: „Jede zweite Maschine, die wir jährlich ausliefern, geht bereits zu Digital-, Offset- oder Hausdruckereien. Druckereien haben erkannt, dass insbesondere die Weiterverarbeitung, weil sie am Ende der Wertschöpfungskette steht, noch Potenzial und Wachstumsmöglichkeiten bietet.“

 

Da für den Digitaldruck kleine und kleinste Auflagen typisch sind, verlangt dies nach einer Weiterverarbeitungstechnik mit kurzen Rüstzeiten und hohem Automatisierungsgrad. Thomas Krischke, Leiter Postpress Commercial der Heidelberger Druckmaschinen AG, fasst die Herausforderungen zusammen: „Der übergeordnete Trend in der Druckweiterverarbeitung heißt: Steigerung der Effizienz und Produktivität. Bei häufig wechselnden Kleinauflagen – im Extremfall „Auflage 1“ im Digitaldruck – wird dies hauptsächlich durch Rüstzeitverkürzung in der Weiterverarbeitung möglich.“

Neben den Aspekten der hohen Automatisierung und kurzen Rüstzeiten ist heute auch die Kombinierbarkeit und Flexibilität von Systemen stark gefragt, um sie sowohl für Offset-, als auch für Digitaldrucke einsetzen zu können. Jörg Stutz, Geschäftsführer der Firma FKS, ist der Meinung, dass Maschinen zur Verarbeitung traditioneller Drucke selbstverständlich auch Digitaldrucke verarbeiten können, aber diese den Herausforderungen bei der Verarbeitung digitaler Druckbogen nicht stand halten. Ein Trend, der sich auf der Drupa 2012 zeigte, war der zu so genannten Hybridsystemen, die sowohl konventionell erstellte Drucksachen als auch Digitaldrucke separat oder beliebig gemischt verarbeiten können.

Weitere Besonderheiten in der Weiterverarbeitung resultieren aus den Möglichkeiten des variablen Druckens. Hierfür benötigt man keine konventionelle Sammelheft- oder Zusammentragmaschine, denn die Bogen werden im Digitaldruck bereits in der richtigen Reihenfolge gedruckt. Benötigt wird dagegen ein System, dass die Bogen nach dem Druck vereinzelt und einem Broschürensystem zuführt, das sie falzt, heftet und schneidet.

Das Drucken verschiedener Formate ist für ein digitales Drucksystem unproblematisch. Doch das Falzen unterschiedlicher Formate in wechselnder Reihenfolge ist mit konventionellen Falzmaschinen nicht möglich. Dafür hat beispielsweise MB Bäuerle als Lösung das „selektive Falzen“ entwickelt. Eine Längemesseinrichtung und spezielle Taschen bilden die Grundlage dafür. Das System misst die Länge jedes Bogens und erkennt, wann die Taschen zu verschließen beziehungsweise zu öffnen sind, um den richten Falz zu erzeugen. So lassen sich in beliebiger Folge 8- oder 16-Seiter oder gefalzte und ungefalzte Bogen produzieren.

 

Probleme in der Druckweiterverarbeitung von Digitaldrucken: Makulatur

Problematisch ist es, wenn bei personalisierten und individualisierten Drucken Makulatur entsteht. Fehlende Bögen müssen nachproduziert werden, da sie Einzelstücke sind. Die Produktion personalisierter und individualisierter Drucksachen wird aus diesem Grund oft mit Barcodes und entsprechenden Lesegeräten begleitet. Sind mehrere mit variablen Inhalten versehene Bögen zusammenzuführen, ist die Verarbeitungsreihenfolge entscheidend. Alle diese Besonderheiten haben zur Entwicklung neuer Systeme und Weiterverarbeitungslinien geführt, die folgende Anforderungen erfüllen sollten: ein möglichst einheitliches und einfaches Bedienkonzept, kurze Rüst- und somit kaum Stillstandszeiten sowie minimale Makulatur.

 

Die Druckweiterverarbeitung von Digitaldrucken kann über verschiedene Wege erfolgen.

 

 

Vernetzung per JDF und Inline-, Offline sowie Nearline-Weiterverarbeitung

Für die Weiterverarbeitung von Digitaldrucken kommen verschiedene Produktionsarten zum Einsatz. Die Entscheidung für die jeweilige Produktionsart hängt vom Produkt und von der Arbeitsweise ab.

Als Inline-Weiterverarbeitung bezeichnet man die unmittelbar mit dem Druckvorgang verbundene Verarbeitung der Druckprodukte. Bei vielen digitalen Drucksystemen werden im Inline-Verfahren die Verarbeitungsschritte Falzen, Binden und Schneiden durchgeführt. Ein Beispiel für die komplette Inline-Weiterverarbeitung ist das System Sigma-Line von Müller Martini. Diese Linie vernetzt den Digitaldruck mit den Teilprozessen der Weiterverarbeitung zu einem Gesamtsystem und ermöglicht so die vollautomatische Produktion in einem Arbeitsgang – von der Rolle bis zum fertigen Buch. Gesteuert und überwacht wird das System mittels JDF und dem Workflow-System Connex. Zugleich sinkt der Aufwand in der Erfassung der Betriebsdaten. Das wiederum ermöglicht bessere Maschinenauswertungen, einfacheres Nachkalkulieren und einfachere Maschinenplanung für die Zukunft. Erst diese Art der Integration und Vernetzung ermöglicht es, Kleinauflagen wirtschaftlich herzustellen.

Bei der Offline-Verarbeitung gelangen die Druckprodukte nicht unmittelbar zur Verarbeitung. Der Geschwindigkeitsvorteil des Digitaldrucks geht dadurch oft verloren. Die Stationen der Weiterverarbeitung sind nicht verbunden und nur teilweise automatisiert. Die Druckbogen werden zwischen den Verarbeitungsschritten manuell transportiert, gestapelt oder gelagert. Produziert jedoch die Digitaldruckmaschine mit einer anderen Leistung, als die Systeme der Weiterverarbeitung, so bietet sich die Offline-Verarbeitung an. Die Verarbeitung ist so von der Taktung der Druckmaschine entkoppelt. Eine Falzmaschine kann zum Beispiel den Ausstoß mehrerer Digitaldruckmaschinen verarbeiten. Gerade im Digitaldruck mit wechselnden Aufträgen werden häufig in kurzem Abstand hintereinander Aufträge mit verschiedenen Papiersorten und -qualitäten gedruckt. Mit einer Offline-Strecke ist der Digitaldrucker unabhängig von der nachfolgenden Weiterverarbeitung.

Die Nearline-Verarbeitung ist eine Variante der Offline-Verarbeitung. Dabei werden die Druckbogen in räumlicher und zeitlicher Nähe zum Druckvorgang verarbeitet. Das Zuführen der Druckbogen in die Weiterverarbeitung erfolgt per Hand. Nearline Finishing steht in enger Verbindung zum „Print On Demand” und der Produktion in Auflage 1. Auch das Zusammenführen von Druckprodukten aus dem Offset- mit denen aus dem Digitaldruck kann im Nearline-Verfahren erfolgen.

 

Fazit

Die Technologien des Digitaldruckes und der entsprechenden Weiterverarbeitung befinden sich in ständiger Entwicklung und neue technische Innovationen auf diesen Gebieten bringen neue Geschäftsmodelle hervor. Je leistungsfähiger die Digitaldrucksysteme werden, desto anspruchsvoller wird auch die Weiterverarbeitung. In beiden Bereichen gibt es regelmäßig Neuentwicklungen.

 

 

Quelle: http://www.print.de/Produktion/Druck/Wachstumsmarkt-Digitaldruck-Was-verbirgt-sich-hinter-den-digitalen-Druckverfahren-_7563

Autor: 03.03.2014 Petra Ebeling

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