Wer hat’s erfunden?

25. Februar 2014 | Von | Kategorie: Bemerkenswertes, Fundstücke, Historische Techniken, Kultur, Print

Einige Experten nennen die Technologie des Buchdrucks Gutenberg-Galaxis. Doch eigentlich müsste sie Bi-Galaxis heißen, denn der chinesische Erfinder Bi Sheng hatte bereits um das Jahr 1040 eine Drucktechnik mit beweglichen Lettern entwickelt. Er fertigte die Lettern aus Ton und befestigte sie mit Wachs in einer Eisenform.

Dass im Fernen Osten Bis Erfindung nicht dieselbe Medienrevolution auslöste wie im Westen, hat mit der Eigenheit der chinesischen Schrift zu tun. Sie besteht nicht aus einer übersichtlichen Zahl von Buchstaben, sondern aus mehreren Tausend Schriftzeichen: 3000 gelten als gebräuchlich, Intellektuelle beherrschen 8000. Chinesische Drucker brauchen daher einen umfangreichen Setzkasten. Dennoch legten sie Anfang des 18. Jahrhunderts die „Sammlung von Tafeln und Schriften aus alter und neuer Zeit“ („Gujin tushu jicheng“) auf – ein Mammutwerk, das knapp 10 Millionen Schriftzeichen in 5020 Bänden umfasste. Die ersten wichtigen erhaltenen Werke, die mit beweglichen Lettern gedruckt wurden, stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert aus Korea. Die koreanische Buchstabenschrift eignet sich besser als die chinesische Schrift für diese Drucktechnik.

 

Häufiger war in China der Blockdruck, den man dort seit dem 8. Jahrhundert kannte. Experten haben Texte aus den Grotten von Dunhuang in Westchina, die mit diesem Verfahren gedruckt wurden, auf die Mitte des 8. Jahrhunderts datiert. 100 Jahre später war der Blockdruck weit verbreitet im Reich der Mitte. Eine blühende Druckindustrie stellte hochwertige Werke in Millionenauflage her. Im 10. Jahrhundert schnitzten Buchdrucker Druckstöcke für die wichtigsten Klassiker der chinesischen Literatur und den gesamten buddhistischen Kanon. Der besteht immerhin aus 1076 Werken, für die 130 000 doppelseitig geschnitzte Druckstöcke benötigt wurden. Der Blocksatz verlor in China erst im 19. Jahrhundert mit der Einführung der mechanisierten Druckverfahren an Bedeutung.

 

Im Gegensatz zum Westen druckten Chinas Buchmacher bereits im 1. Jahrhundert auf Papier, das aus dem Bast des Maulbeerbaums hergestellt wurde – Papier aus Seide oder Hanf war schon vor der Zeitenwende bekannt. Spätestens im 2. Jahrhundert war Papier in China ein alltägliches Gebrauchsmaterial, aus dem Taschentücher hergestellt wurden. Als das Papier über Arabien und das damals islamische Spanien im 12. Jahrhundert endlich in Europa ankam, zahlten die Chinesen schon seit einem guten Jahrhundert mit Papiergeld, das im Blockdruck hergestellt wurde.

 

 

Quelle: http://www.wissenschaft.de/archiv/-/journal_content/56/12054/1669272

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